Verfall – Eine herbstliche Betrachung von Gears of War
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„Are you THE Marcus Fenix? The one that fought at Asho Fields?“ Ja, der bin ich. Ich bin Marcus Fenix seit, ich weiß gar nicht so genau, vielleicht seit…zwanzig Minuten…einer Stunde? Hm…im Krieg kann man schon einmal die Minuten und Stunden vergessen. Sie vergehen im Flug – so wie die vielen Geschosse, die MICH im Flug (oder Vorbeiflug) „vergehen“ lassen. Diese Zipline ist so unendlich schnell. Was, wenn ich nie ankomme?

Ich bin Marcus Fenix. Ich bin so massiv gebaut, um der analog zur Schau ENTstellten Hässlichkeit der Gegner, die sich wie Würmer aus der Erde schälen, entgegen zu treten. Manchmal habe ich den Verdacht, dass ich tatsächlich lediglich als Gegenentwurf existiere. Ich habe keinen Zweck. Ich bin ohne meine Waffe – eine ebensolch abstruse Überzeichnung – ein nutzloser Ding. Eine Marionette ohne Leben. Ertönt ein Gong, verwandelt sich alles in eine verwaiste Theaterbühne. Sie steht kurz vor dem Abriss. Hier wurde schon lange nicht mehr gespielt.

Mich im Rahmen einer „Ultimate Edition“ noch einmal aus der kollektiven Shootergeneration-Erinnerung von 2006 zu holen, um erneut die Bilder einer Welt zu vermitteln, welche aus Urban Warfare, Warhammer 40K, High Fantasy und dem, was US-Entwickler offenbar als „europäische Architektur“ kondensieren, besteht, ist ein Weckruf: Auch wenn die Skyboxes noch so ruckeln mögen, auch wenn die „Kritik“ noch so überflüssig von bromance sowie lancer bondage lallt – ich bin zur Stelle. Ich und die anderen. Wir, die wir Pausen verachten. Wir, die hetzen.

Wir sind exklusive Nostalgie. Wir unterhalten uns so, weil uns unsere Schöpfer sich, uns und Euch nicht mehr zutrauen. Wir geben nur vor, so zu sprechen. Unsere Worte sind wie die Schüsse einer Gnasher Shotgun – vieles geht daneben, einiges bleibt hängen. Zitate und Phrasen sind die popkulturelle Munition, die sich in Erinnerungen der Spielenden brennen wie der Hammer of Dawn. Wo wir wandeln, ist Licht. Unsere Göttin ist Boltok, die Zerstörerin. Sie kennt nur eine Gnade – die der Auslöschung.

Dass wir diesen Krieg nicht wollten, ist Rhetorik. Dass wir ihn führen, Ideologie. Ein Save Game kann niemals so korrupt sein wie Politik. Ich war im Gefängnis. Alleine. Doch als Dom die Tür öffnete, wusste ich, dass es nicht darum gehen würde, den linken oder rechten Pfad in Angriff zu nehmen oder derart „aktiv nachzuladen“, dass Dildos Dorffeste in demagogenhafte Dramen verwandeln. Es ging um meine Seele, die ich auf den Aspho Fields verloren hatte. Ich war naiv zu glauben, dass sich etwas ändern würde. Dass Krieg immer Krieg bleiben wird wissen wir aus Fallout – doch wir haben Angst davor zu erahnen, dass WIR auch immer WIR bleiben werden.

Über Rudolf Inderst

Geboren 1978 in München, studierte Poltikwissenschaften in München und Kopenhagen. 2009 schloss er seine Promotion zur „Vergemeinschaftung in MMORPGs“ in Amerikanischer Kulturgeschichte ab. Als freier Autor schreibt er für unterschiedliche Portale und Publikationen zu den Themen digitales Spiel und Film. Auch als Herausgeber diverser Game-Studies-Sammelbände ist er immer wieder umtriebig, spielt immer wieder Basketball und praktiziert freudvoll Krav Maga. Liebt Stanislaw Lem, Comics und satte B-Medien. Wird nervös, wenn er seinen Status in sozialen Netzwerken nicht zu jeder 30. Minute ändert. Trägt gerne Bart.

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