Watch Dogs Legion [Review]

Watch Dogs Legion [Review]

von am 26.11.2020 - 10:29
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Nachdem Ubisoft Montreal uns im zweiten Teil mit Marcus durch das schöne San Francisco hacken ließ, ist nun Ubisoft Toronto am Zug und entführt uns mit Watch Dogs Legion in ein dystopisches London im Jahre 2020 und folgt damit gleichzeitig  einer großen Ambition…

SPIELE JEDEN

 

Im Vorfeld des Release bestimmte dieser Satz das Marketing rund um Watch Dogs Legion. Jeder NPC, den du in dein Team rekrutierst, ist spielbar. In den Trailern wurde damit durch spezielle Fähigkeiten der Charaktere eine große Abwechslung suggeriert.

An sich funktioniert das Konzept. Es kann wirklich jeder NPC, der keine abfällige Meinung zu DedSec hat, rekrutiert und somit gespielt werden. Meistens besteht die Rekrutierung darin einen Gefallen zu erledigen, um die Figur auf seine Seite zu ziehen. 

Nach den ersten Wechseln der Figur merkt man allerdings recht schnell, dass die Charaktere relativ formelhaft aufgebaut sind. Man hat einen bestimmten Beruf, meistens dann eine Fähigkeit oder Waffe, die einen Bezug dazu hat und das war es eigentlich schon. Persönlichkeit sucht man leider vergebens.

Bei mir lief es ziemlich schnell darauf hinaus, dass sobald ich den besten Allrounder hatte, ich nur noch mit diesem spielte und kaum mehr wechselte. Warum sollte ich auch meinen Charakter, der jederzeit eine Drohne rufen kann, mit einem Charakter eintauschen, der als Fähigkeit besitzt zufällig sterben zu können.

Ich will damit nicht sagen, dass Ubisoft Toronto sich zu bequem war mehr Tiefe reinzubringen. Allein die verschiedenen Animationen, Stimmen und der Aufbau der generellen Mechanik hat sicher viel Arbeit gekostet und war extrem ambitioniert. In einer Welt mit vielen Open-World Spielen nach dem gleichen Schema, brachte diese Funktion auf jeden Fall frischen Wind rein. Man merkt allerdings, dass dieses Feature dem Spiel an anderen Stellen nicht so gut tut. Am deutlichsten bei der Story.

Ohne Persönlichkeit

Ein bisschen Kontext. Wie bereits erwähnt, spielt Watch Dogs Legion in einem dystopischen London im Jahre 2020, wo jeder und alles bewacht wird. Nach einem verheerenden Terroranschlag, für den DedSec verantwortlich gemacht wird, übernimmt die Sicherheitsfirma Albion quasi die Kontrolle über die Stadt und flutet diese mit Drohnen, Waffen und “Polizisten”. Albion verspricht Sicherheit im Austausch zu jeglicher Privatsphäre und Freiheit.

Nachdem es DedSec in den Folgen des Terroranschlags nahezu komplett zerschlagen hat, liegt es nun an uns, das Team wieder aufzubauen und London zu befreien. Wer sind wir? Jeder gleichzeitig aber auch niemand und damit sind wir auch beim größten Problem mit der Story.

Abgesehen von Bagel (DedSec KI) und Sabine (eine der letzten vom alten DedSec) gibt es keine wirklich interessanten Charaktere. Da wir selber keine Persönlichkeit haben fehlte es daher komplett an jeglicher Bindung zur Story.

Dazu kommt, dass Ubisoft hier wieder ein politisch aufgeladenes Thema zur Vorlage nimmt, dabei aber weiter so apolitisch wie möglich sein will, was die Story nicht wirklich glaubwürdiger macht.

Generell ließ mich die Story leider sehr unbeeindruckt zurück. Die Vorgänger waren jetzt zwar nicht narrative Meisterwerke, aber in Watch Dogs 2 gab es wenigstens Charaktere, für die man sich interessiert und generell erlebte man eine coole Geschichte.

Gameplay as usual

Abgesehen von der “Spiel als Jeder ” Funktion ist das Gameplay relativ unverändert geblieben, meistens infiltriert man feindliche Gebiete, um irgendwelche Daten zu beschaffen. Dabei lässt einem das Spiel relativ freie Hand, wie man das alles machen möchte.

Hacken, Schleichen, Schießen oder mit dem neuen Spider-Bot – Möglichkeiten die relativ gleichen Missionen zu erleidigen gibt es zum Glück einige. Vor allem der Spider-Bot machte wirklich Laune. Die Steuerung von dem kleinen Kerl ist gut und manche Level bieten auch ein paar Jump’n’ Run Elemente zur Herausforderung.

Die Open-World Aktivitäten sind sehr Ubisoft typisch aufgebaut. Es gibt verschiedene Distrikte, die man durch das Abhacken von Checklisten befreit. Jedes Gebiet hat einen Oberboss, den es dann zu besiegen gilt. So arbeitet man sich bis zum Finale vor, wie man es eben auch aus diversen Assassin´s Creed und FarCry Teilen kennt.

Zum Gameplay kann man unter dem Strich sagen, dass wenn man Watch Dogs 2 mochte, man auch hier seinen Spaß haben wird. Abgesehen vom Spider-Bot hat sich hier wirklich nicht viel getan.

London

Ein kleines Highlight von Watch Dogs Legion ist definitiv die Welt an sich. Ein modernes, dystopisches London mit leichten Cyberpunk Flair ist definitiv neu. Gepaart mit der Liebe zum Detail, machte es wirklich Laune die Welt zu erkunden und sich allgemein darin zu bewegen. Mit einer besseren Fahrphysik wäre ich auch gerne gefahren :D.

Grafik und Audio

Grafisch ist Watch Dogs Legion schwierig zu bewerten, als erstes großes Spiel muss es den Spagat zwischen Xbox One bis hin zur Series X / PS5 bewältigen. Auf der Xbox One S (meine Plattform) kommt das Spiel definitiv an die Grenze der Konsole, wenn man schnell mit dem Auto durch die Welt fährt, merkt man ziemlich deutlich die Schwankungen bei der Framerate und ein paar Abstürze hatte ich auch.

Generell sieht das Spiel aber gut aus, auch wenn ich Watch Dogs 2 ein bisschen hübscher in Erinnerung hatte was aber auch einfach am anderen Stil der Welt legen kann.

Das gleiche kann ich leider nicht zum Ton sagen, die meisten Stimmen passen nicht wirklich zu den Gesichtern und sind auch nicht immer synchron. Die generelle Audioqualität bei Effekten ist in Ordnung. Der OST ist dafür leider komplett zu vergessen – zwar nicht schlecht, aber auch nicht mit der Qualität diverser Assassin’s Creed Soundtracks zu vergleichen. 

FAZIT

Watch Dogs Legion

von am 26.11.2020

Watch Dogs Legion wollte mit einem extrem ambitionierten Feature überzeugen. Auch wenn die Ausführung definitiv anerkannt werden muss, hat dieses Feature dem Spiel meiner Meinung nach eher geschadet. Der Story fehlte es leider an jeglicher Bindung und Persönlichkeit. Wenn man allerdings Watch Dogs ausschließlich wegen dem Gameplay spielt, hat man hier, durch die Abwechslung und den Spider-Bot, die wohl bisher beste Ausführung davon. Vorausgesetzt man ist nicht von der üblichen Ubisoft Open-World ermüdet. Irgendwie hat Legion hier nämlich nicht an die Qualität eines Assassin’s Creed Origins oder Odyssey anknüpfen können. 

Grafik: 80
Sound: 75
Gameplay: 83
Spieldesign: 72
Spielspaß: 79
Welt / Atmosphäre: 83

So wertet Krautgaming:
0-25 ungenügend (6), 26-45 mangelhaft (5), 46-65 ausreichend (4), 66-75 befriedigend (3), 76-85 gut (2), 86-95 sehr gut (1), 96-100 ausgezeichnet (1+)

Infos zu Watch Dogs Legion

Entwickler – Ubisoft Toronto

Publisher – Ubisoft

Release – 29. Oktober 2020

Plattform – PS4, PS5, Xbox One, Xbox Series S I X, PC

Review – Auf Xbox One S gespielt / Spiel von Ubisoft gestellt

Spielzeit – 30 Stunden

Preis – 69,99 € (zum Release)

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