NBA 2K20 – Welcome to the next [REVIEW]

NBA 2K20 – Welcome to the next [REVIEW]

von am 01.10.2019 - 21:08
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Jahr für Jahr kommt es bei sämtlichen Sportspielreihen zu angepassten Updates, die nicht nur mit aktuellen Lizenzen bestechen wollen, sondern natürlich auch inhaltlich neue Facetten hinzufügen möchten, um die Spielerschaft am Ball zu halten. Der NBA 2K Serie gelang dieses Unterfangen bislang auf großem Niveau und ob für die Saison 2020 erneut ein gelungener Titel abgeliefert wurde, erfahrt ihr hier… 

Es ist Zeit für eine Revolution

NBA 2K16 war das erste Spiel der Serie, welches nicht nur eine simpel abzuarbeitende Karriere zu bieten hatte, sondern auch auf eine richtig erzählte Kampagne wert legte. Der Erfolg und die Resonanz darauf sorgte natürlich für eine stetige Weiterentwicklung dieser Karriere-Umsetzung und selbstverständlich durfte auch in NBA 2K20 hier kein Abstrich gemacht werden.

Nachdem ihr eure eigene Figur entworfen habt, stürzt ihr euch in die Geschichte und die wirkt ausgereifter denn je. Die Anpassungsoptionen zur Skillverteilung sind vielfältiger und bieten weitaus individuellere Ausrichtungsmöglichkeiten für eure Skills. Eure Figur durchlebt die letzten College-Züge, rasselt (aus nachvollziehbaren Gründen) böse mit dem Trainer aneinander (ironisch ist dabei auch der Spitzname eures Mein Spieler-Charakters: Che) und bahnt sich etwas schwermütig den Weg zum Aufstieg in die NBA.

Die Geschichte wirkt authentisch und ist natürlich wieder mit prominenten Gastauftritten gespickt. Dazu zählt unter anderem auch Idris Elba, der in der Rolle eures Trainers zu sehen ist und den meisten ein Begriff aus Formaten wie Luther und auch den Marvel-Kinofilmen sein dürfte.

Idris Elba in der Rolle des Coach

 

Besonders schön ist auch wieder, dass ihr eure Figur über den aktiven Draft-Prozess begleitet und so auch im Spiel das Druckgefühl vermittelt bekommt, dem die Figur ausgesetzt ist.

Die dargestellte Kampagne ist eine klare Weiterentwicklung zu den Vorgängern und lässt diese, besonders durch ihre glaubwürdige Inszenierung, ganz einfach im Schatten stehen. Hier gebührt NBA 2K20 das größte Lob.

Die kleinen Stellschrauben

Spielerisch hat sich auch einiges getan. Besonders die Bewegungsanimationen haben erneute Updates bekommen. Dadurch wirken viele Moves grundsätzlich flüssiger, wenn nicht sogar besser ausgedrückt, einfach weitaus realistischer. In vielerlei Hinsicht ändert sich durch die saubereren Bewegungen auch die Spielgeschwindigkeit, da man weniger ins Stocken gerät. Einzig die Defense wirkt anfangs beschwerlicher. Doch wenn man genauer hinschaut, stellt man schnell fest, dass der künstliche Magnet aus den Vorgängern, der euch fast automatisch an den Gegner gedrückt hat, in NBA 2K20 weggefallen ist und euch somit schnellere Reaktionszeiten ermöglicht, sobald ihr euch aus einer festen Defense-Position lösen möchtet.

Ansonsten sind die Spiele mit dem selben umfangreichen Content ausgestattet, wie in den Jahren zuvor. 2KTV ist wieder spannend und lässt euch mit ein paar Quizfragen nicht nur ein paar VC (Ingame-Währung) dazugewinnen, sondern bietet umfangreiche Infos rund um die Spieler der NBA, neue Ingame-Events und Hintergrundinfos zum Spiel und zum Sport selbst.

Den Event-Charakter haben sich die Karriere-Spiele weiterhin erhalten und tatsächlich dreht es sich hier eher um kleinere Stellschrauben auf spielerischer Seite, die nochmal nachgezogen wurden um dem Titel den angemessenen Feinschliff zu verpassen.

Einen weiteren positiven Schritt ist man mit den Fitness-Einheiten gegangen. Der Gang ins Fitness-Studio ist nicht mehr eine generelle Instanz, die man vor jedem Spiel wie das Team-Training absolvieren sollte, da hier ja bisher auch nur MeinSpieler Punkte auf das Konto zur Entwicklung flossen. Man erhält zwar weiterhin Boni auf unterschiedliche Eigenschaften, muss aber das Training nur einmal pro Woche absolvieren. In meinen Augen ein guter Zug, der das Feeling von ständigem Grind doch schwer mindert. So bleiben Bankdrücken, Box-Springen und auch das Laufband weiterhin fester Bestandteil des Spiels, aber strecken den Verlauf zum nächsten Karrieresprung nicht unnötig in die Länge.

Übung macht den Meister

Auch das eigentliche Team-Training gestaltet sich etwas anders, denn das Fortschrittssystem um die Plaketten ist ebenfalls angepasst worden und bietet so gezieltere Möglichkeiten zur Entwicklung eures Charakters. So erhaltet ihr zwar wieder EP auf übergeordnete Kategorien wie Finishen, Würfe, Spielaufbau und Defense/Rebounding, dürft aber bei gefüllter Upgrade-Leiste frei in der Vergabe der Plaketten wählen. Das bietet natürlich den Vorteil, dass ihr eventuelle Schwächen eurer Figur gezielter ausbügeln könnt. Dabei solltet ihr allerdings auch berücksichtigen, dass ihr nicht ständig neue Plaketten vergeben könnt und eure zuvor ausgelegten Stärken natürlich auch im fortlaufenden Spiel eure Beachtung bei der Skillvergabe benötigen. Der Rollenspiel-Charakter der Vorgänger findet sich also erneut in NBA 2K20 und wirkt nochmal eine Spur geschmeidiger.

Das Training selbst läuft natürlich auch wieder ähnlich ab, wie es bereits in den Jahren zuvor präsentiert wurde. Der Hauptunterschied liegt hierbei eher am Einstieg, denn um eure eigenen Trainingseinheiten definieren zu können, müsst ihr euch erstmal einen Ruf im Team aufbauen und das funktioniert natürlich über den Wert der Team-Chemie. Erst wenn ihr hier auf entsprechendem Level seid, könnt ihr gezieltere Einheiten im Training anfordern. 

Mögen die Spiele beginnen

Die größte Stärke der NBA 2K Serie lag bislang auch in dem hohen Maß an Abwechslung und stetig neuen Ideen, um das Gesamtbild auszuweiten. Und zu 95 Prozent gelingt das bei NBA 2K20 auch auf extrem hohem Niveau. Im Viertel, dem Zentrum eurer Karriere, wurden ein paar witzige Mini-Games eingebaut, bei denen ihr zum Beispiel eine Frisbee durch die Seitengassen manövriert und auch die Neighborhood-Events bauen witzige Highlights ein. Schatzsuchen, Wild West-Völkerball und Spielvariationen unterschiedlichster Art sorgen für zusätzlichen Spielspaß.

Völkerball im ‘Wild West’ Stil. Auch solche Späße bringen Abwechslung ins Viertel.

 

Doch natürlich sind es nicht nur die kleinen Extras die hier punkten können. NBA 2K20 bietet wieder ein ausgedehntes Angebot an unterschiedlichen Modi und Spielweisen, das selbstverständlich viele bekannte Lieblinge abdeckt. Dazu gehören wieder die gesamten Bestandteile der Karriere, der standardmäßige Multiplayer, Blacktop, die Auswahlmöglichkeit des Direktspiels, welche nicht nur aktuelle Teams sondern auch historische Aufstellungen beinhaltet und die Option der NBA Aktuell-Auswahl. Hier köönt ihr kommende Spiele der nächsten Saison nachspielen, die alle Aufstellungen, Strategien und selbst Verletzungen berücksichtigt.

Völlig neu hinzugekommen ist in diesem Jahr nun zusätzlich die WNBA! Somit dürft ihr nun auch erstmals in der Serie die Kontrolle über die Basketball-Damen übernehmen und in der Oberkategorie ‘Meine Liga’ sogar eine komplette Saison mit den Frauen hinlegen. Spannend ist dabei besonders, dass sich die Spielerinnen wirklich anders spielen und somit eine differenzierte Basketballerfahrung geschaffen wurde. Dass man zudem ein paar Vorabeinstellungen zum Spielablauf vornehmen kann, versteht sich von selbst. Mit der Saisonlänge, der Vierteldauer und den Simulationsmodifikationen sind somit alle entscheidenden Konfigurationen enthalten, die ihr für eure individuelle WNBA-Saison benötigt.

Candace Parker von den Los Angeles Sparks (rechts) im Interview bei 2KTV

 

NBA 2K20 feiert die Eingliederung der WNBA aber auch spürbar abseits des virtuellen Courts, denn genauso wie bei den Herren, gibt es über 2K-TV auch massig Infos zur Damen-Liga.

Vertreten sind dabei alle 12 Mannschaften der WNBA und die Teams wurden genauso detailliert eingefangen, wie ihre männlichen Kameraden. Ein echter Gewinn also und hoffentlich keine Einzelerscheinung innerhalb der Serie. Bleibt nur zu hoffen, dass es auch die europäische Liga mal wieder ins Spiel schafft, denn in diesem Fall dürfte kein anderes Spiel mit diesem enormen Umfang mehr mithalten können.

Und trotzdem ist dem Umfang hier noch kein Ende gesetzt worden. Etablierte Modi, wie zum Beispiel die 80 Saisons umfassende ‘Meine Liga’, der Ausflug in die Manager-Gefilde über ‘Mein GM’ und eine losgelöste Postseason-Erfahrung um die NBA-Playoffs, dürfen natürlich nicht fehlen.

Den Beat treffen

NBA 2K20 lässt sich auch in diesem Jahr nicht lumpen. Mit satten 50 Original-Songs wird wieder beflügelnder Sound gepumpt. Dabei werden erneut mehrere Genre abgedeckt, aber den Hauptanteil haben natürlich wieder Hip Hop und R’n’B für sich gewinnen können. In der Setlist finden sich unter anderem Tracks von Ariana Grande, Drake, Billie Eilish, Travis Scott und Mötley Crüe. Wie für die Reihe üblich, gibt es die komplette Setlist auch in einem separaten Player. Zusammen mit den eigenständig anwählbaren 2KTV Episoden bietet das Spiel also wieder gewohnt ordentlichen Bonus-Content für Fans. 

Casino Royale ?!

Und bei all dem Umfang, bei all der Interaktivität, stellt sich uns trotzdem eine große Frage. Wieso tun sich 2K mit deplatzierten Mikrotransaktionen selber weh? 

Den größten Kritikpunkt sehe ich persönlich weiterhin in der Möglichkeit, dass man Skillpunkte für Echtgeld kaufen kann. In einem skillbasierten Game sollte diese Option einfach nicht mehr auftauchen. Natürlich gibt es diese Möglichkeit bereits seit Jahren und auch kostenlos verdienbare VC (Ingame-Währung) kann man sich locker verdienen, aber trotzdem lässt sich der Mechanik im Online-Match ein Pay2Win-Charakter nicht abreden. 

Der Kern der Problematik tut sich aber im MyTeam Modus auf. Das virtuelle Sammelkartenspiel ist aufgrund der kaufbaren Booster-Packs ähnlich umstritten wie der vergleichbare FIFA-Modus. Dass nun zusätzlich aber auch verstärkt Glücksspiel-Minigames in den Modus Einzug gehalten haben, grenzt schon fast an Verherrlichung von Glücksspiel. 

Wem jetzt da die Schuld zuzusprechen ist, sei jetzt mal dahingestellt – der USK (wegen der Altersfreigabe ab 0 Jahren) , der Politik (wegen einer Rechtssprechung, die die subtile Negativauswirkung verharmlost) oder der Publisher (der sich eigentlich darüber im Klaren ist, welche breit gefächerte Alterszielgruppe im Sportspiel-Segment bedient wird) – die Einbindung ist unpassend und moralisch fragwürdig. 

Natürlich kann man das Spiel auch gut ohne zusätzliche Investitionen spielen. Die verführerische Platzierung hingegen ist einfach nicht korrekt. Besonders für Spieler niedrigeren Alters. Und ganz ehrlich… Glücksspiel hat einfach keine sportlichen Eigenschaften und somit nichts in einem Basketball-Game zu suchen. 

Fazit

NBA 2K20

von am 01.10.2019

NBA 2K20 ist grundsätzlich einer der absoluten Brecher unter den Sportspielen. Grandioses Spielgefühl und eine herausragende Kampagne im Blick auf das Genre, sind nur ein paar der Dinge, die das Spiel lohnenswert machen und über die nächste NBA-Saison für haufenweise Spielstunden sorgen werden. Die Einbindung der WNBA setzt dem Spiel zusätzlich die Krone auf. Hier dürfte jedem Basketball-Fan das Herz aufgehen. Ein umfangreicher Soundtrack und viele unterhaltsame Ideen am Rand machen das Spiel inhaltlich zu einem weiteren Höhepunkt der Reihe. Einzig das leidige Thema mit den Mikrotransaktionen verpasst dem (ansonsten nahezu perfekten) Sportspiel einen miesen Dämpfer und dass der sowieso schon aneckende ‘Mein Team’-Modus nun auch noch zusätzlich mit weiteren Casino-Einlagen ausgeschmückt wurde, lässt ein moralisch schlechtes Bild zurück und hat in einem Sportspiel keinen Platz. Hier hoffen wir für die Zukunft auf Besserung.

(getestet wurde auf Xbox One)

Grafik: 89 
Sound: 90
Gameplay: 90 / -25 für weiterhin gegen Echtgeld kaufbare Skill-Punkte = 65
Spieldesign/Spielwelt/Umfang: 90 / -15 wegen unnötiger Beschönigung von Glücksspiel = 75
Spielspaß/ Atmosphäre: 88

So wertet Krautgaming:
0-25 ungenügend (6), 26-45 mangelhaft (5), 46-65 ausreichend (4), 66-75 befriedigend (3), 76-85 gut (2), 86-95 sehr gut (1), 96-100 ausgezeichnet (1+)

 

 

Über Daniel Machut

Ich bin Chefredakteur bei KRAUTGAMING ! Aufgewachsen in der Steinzeit des Gaming, bin ich noch heute unterwegs in den unterschiedlichsten Welten. Hyrule, Rapture, Eos, das viktorianische London, Sondereinsätze auf der ganzen Welt und selbst die dunklen Tiefen des Weltraums habe ich nicht gescheut. Hier sollt ihr mehr von meinen Reisen in den virtuellen Weiten erfahren...

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