The Division 2: UBI-does what EAdon’t

The Division 2: UBI-does what EAdon’t

von am 11.04.2019 - 09:31
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Erstmals haben wir mit 3 Redakteuren ein einziges Spiel gemeinsam gestestet. Und unser Testobjekt hätte kaum besser sein können, um es in den unterschiedlichsten Facetten zu beleuchten. Die heiß erwartete Fortsetzung von Ubisofts The Division ist erschienen und mit freundlicher Unterstützung des Punlishers, durften auch wir uns nun in den Kampf um die Straßen von Washington DC stürzen… 

Ein Lernprozess

Daniel:

Loot-Shooter… Ja. Der Begriff hat einen faden Beigeschmack bekommen. Was ein Borderlands 2 und das Pre-Sequel toll hinbekommen haben und bei The Division, wie auch Destiny 1, mit einem Entwicklungsprozess erst wirklich zu Glanz und Glorie geführt hat, wurde mit der Rückentwicklung eines Destiny 2 und einem sehr mäßigen Endergebnis von Anthem, zu einem nervigen Trauerspiel.

Gerade The Division 2 hatte hier, wie ich finde, eine gute Ausgangsbasis mit der finalen Version des ersten Teils, bei welchem entscheidend an den Mechaniken geschraubt wurde, um dem Fan-Feedback und den Erwartungen der Spieler gerecht zu werden.

Ubisoft, die in den letzten Jahren besonders mit Assassin’s Creed bewiesen haben, dass sie sehr wohl in der Lage sind, ihre offenen Welten mit Leben zu füllen und einen inhaltlichen Kontext in eben diesen zu erzeugen, standen nun vor einer nicht allzu leichten Aufgabe. Nämlich das Gelernte sinnvoll fortzuführen und auszubauen.

Simon:

Nachdem Destiny 2 erst nach langer Wartezeit endlich gut wurde und Anthem mich stark enttäuschte, hatte ich von Loot-Shootern die Nase voll. Also warum spiele ich in den letzten Tagen nichts anderes als The Division 2 ?

Ein Ruf der diesen “Games as a Service” Produkten vorauseilt? Sie werden erst mit der Zeit vollständig. Und auf einige Vertreter trifft dies auch zu. Umso erstaunter war ich, als ich erst nach gut 30 Stunden den Abspann sah. Und nicht nur das!

Diese 30 Stunden waren auch noch mit Inhalt gefüllt. Ich kann, besonders nach Anthem, kaum glauben, dass ich das schreibe. Denn wo andere Loot-Shooter sich mit gestaffelten Releases und unvollständigen Inhalten ins eigene Fleisch schneiden, geht The Divison 2 mit gutem Beispiel voran und baut auf dem eigenen Vorgänger grandios auf.

Daniel:

Diesen Eindruck habe ich auch. Während der erste Teil zur Anfangszeit noch sehr zäh und trocken wirkte, knüpft der Nachfolger nahtlos an die finale Version des Erstlings an und punktet mit einer lebendigen Welt. Überwucherte Straßen und zerfallene Gebäude säumen den Weg. Ganz zu schweigen von den stetigen Auseinandersetzungen zwischen den feindlichen Plünderer-Truppen und den sich verteidigenden Siedlungen.

Das Spiel trumpft mit einer Dichte auf, die für Loot-Shooter geradezu ungewöhnlich wirkt und man beginnt schnell, sich in dieser virtuellen Welt von Washington DC zu verlieren.

Die Situation der Stadt und ihrer Bewohner fühlt sich in gewisser Weise greifbar an. So kann man die Atmosphäre des Spiels definieren.

Dominic:

Ich war ebenfalls von Beginn an positiv überrascht von The Division 2. Und das nicht nur, wegen der  realitätsnahen Atmosphäre, die neben der Optik vor allem durch die Geräuschkulisse entsteht, oder wegen der sich dynamisch und vor allem glaubwürdig verändernden Metropole.

Nein, ich war tatsächlich eher von der inhaltlichen Vielfalt überrascht. So findet man bereits in den ersten Spielstunden zahllose, unterschiedliche Waffen und Ausrüstungsstücke, die zum Ausprobieren und Experimentieren einladen. Dabei kommen die Schießeisen nicht nur mit unterschiedlichen Werten, beispielsweise für Waffenstärke oder Reichweite daher, sondern bieten beim Einsatz auch einen fühl- und hörbaren Unterschied.

Zudem finden sich Ausrüstungsstücke, wie Rucksack, Holster oder Handschuhe, in dreiteiligen Sets, die in Kombination weitere Boni gewähren. Nimmt man dann noch die verschiedenen Gadgets, wie Drohnen oder aufstellbare Geschütze hinzu, ergeben sich wirklich zahllose Möglichkeiten den eigenen Agenten zu gestalten.

Und diese Vielfalt hört beim eigenen Charakter nicht auf, sondern zeigt sich auch in der Umgebung, sowie in den Gefechten selbst.

Simon

Ja, da kann ich dir nur recht geben.

Denn der er vielleicht größte Kritikpunkt am Vorgänger, wird direkt zu Beginn ausgemerzt. Die Waffen fühlen sich deutlich wuchtiger an als 2016 und unterscheiden sich angenehm voneinander. Das kommt besonders bei der x-ten Gegnerwelle zum Tragen, wo die Frustration natürlich oft am höchsten ist. Denn so macht sogar jeder Neuversuch immer wieder Spaß.

Denn auch wenn sich nur ein paar neue Fähigkeiten dazugesellen: Sie ergänzen das Spielerlebnis wunderbar. So kann ich mich dieses Mal wirklich auf meinen individuellen Spieltyp spezialisieren. Ob gnadelnoser Sniper oder unaufahltsamer Tank. Alles ist möglich. Zwar könnten die Spezialfähigkeiten meiner Meinung nach noch etwas Feinschliff vertragen, aber das ist Meckern auf hohem Niveau.

Daniel:

Und auch das Thema Sound ist ein gutes Stichwort. Aber natürlich nicht nur in Bezug auf die Umgebung  sondern auch auf den Soundtrack, an welchem erneut Ola Strand gearbeitet hat und somit ebenfalls an die Arbeit des ersten Teils anknüpfen konnte. Es ist wieder eine moderne Untermalung geworden, die ihre Einflüsse aus dem 80er Jahre Sci-Fi und Action Kino nicht abstreiten kann.

Dem Gesamtwert merkt man aber mehr Vielfältigkeit in den Stimmungslagen an und situationsbedingte Akzente werden besser getroffen. Auch hier hat für mich eine Weiterentwicklung stattgefunden und besonders als Fan von Game-Soundtracks fühle ich mich gut bedient.

Den Kern des Spiels macht in meinen Augen aber natürlich der kooperative Part aus. Auch wenn ich überrascht zugestehen muss, dass The Division 2 auch durchaus als Singleplayer unterhalten kann.

Dominic:

Natürlich kann man das Spiel auch getrost alleine zocken, allerdings macht sich dabei eine Schwäche bemerkbar, die bereits den Vorgänger, sowie durch die Bank weg jeden anderen Looter-Shooter plagt. Und damit meine ich die schwache Story.

Ein Kritikpunkt, der beim gemeinsamen Spiel mit Freunden zwar kaum ins Gewicht fällt, aber dennoch nervt. So gibt es zwar eine übergeordnete Handlung, die jedoch letzten Endes komplett irrelevant ist. Was zählt ist die Mission und so ballert unser Charakter in bester Robocop-Manier hunderte von Feinden über den Haufen ohne mit der Wimper zu zucken. Wer unsere Gegenspieler sind und was sie eigentlich wollen, spielt dabei keine Rolle. Dabei stört nicht nur das unser Charakter erneut stumm ist, sondern viel mehr der Mangel an echten Antagonisten, die dem Feind ein Gesicht verleihen und deren Motivation verdeutlichen könnten. So habe ich häufig nicht einmal realisiert, gegen welche der im Grunde austauschbaren Gegner-Truppen, ich gerade kämpfe und sogar die Bosse hinterlassen keinen bleibenden Eindruck sondern sind einfach nur gut gepanzerte Gegner, mit einem Namen über der Lebensanzeige.

So hätten, meiner Ansicht nach, sowohl die spielerische Motivation, als auch die Dramaturgie der Erzählung enorm von einem klassischen Antagonisten profitiert. Ubisoft selbst haben ja bereits mit Far Cry bewiesen, welchen Unterschied ein interessanter Schurke machen kann.

Daniel: 

Ich will an dieser Stelle nur kurz erwähnen  dass ich Robocop 1&2 liebe 😂

Simon:

Die Geschichte von The Division 2 , wird keinen Game Award einheimsen. Jedoch ist sie dafür auch nicht überkompliziert. Sie legt den Fokus angenehm auf die Charaktere und den Wiederaufbau der Gesellschaft. Es braucht keine großen Mysterien, keinen groß inszenierten Bösewicht. Eine Story, passend fürs Genre, könnte man sagen. Und das ist auch gar nicht schlimm, denn sie motiviert dennoch genug. Und lieber eine Story die weiß was sie sein will, als Scheitern an den eigenen Ambitionen. Aber natürlich ist da wirklich noch richtig viel Luft nach oben.

Die Missionen an sich sind dann jedoch eines der Highlights des Spieles. Hier werden in fast jeder Hauptmission verschiedenste Szenarien ausgepackt. Ob man im Museum Statuen in Mitleidenschaft zieht, oder in einem Gewächshaus die Pflanzen mit Blei gießt: The Division 2 überzeugt hier auf ganzer Linie.

Aber nicht nur das: Der heimliche Star des Spiels ist, wie schon im Vorgänger, die Stadt an sich. Das virtuelle Washington wirkt unglaublich lebendig. Nicht nur aufgrund der detailgetreuen Nachstellung der US-Metropole. Verfeindete und verbündete NPCs bevölkern die Straßen. Die Natur erobert sich langsam die Stadt zurück. Wildtiere inklusive. Der Soundtrack unterstützt die dichte Atmosphäre angenehm, ohne zu sehr aufzufallen. All das macht das Spiel auch im Singleplayer spielbar.

Daniel:

Irgendwie bin ich etwas hin und her gerissen. Einen Schurken hat das Spiel weniger zwingend nötig. Das Feeling einer zerrütteten Welt kommt überzeugend rüber und lässt es zu, dass der allgegenwärtige Terror der feindlichen Fraktion für sich selbst stehen kann. Der rote Faden entsteht durch die sich verändernde Welt.

Ganz Unrecht hat Dominic aber auch nicht (bis auf die Verallgemeinerung zur Story bei Loot-Shootern). Nehme ich mir Borderlands 2 zur Brust, dann erlebe ich einen genialen Loot-Shooter, der zudem eine richtig geile Story vorweisen kann, die sogar mitreißend epische Züge annimmt. Mit Handsome Jack gewann die Geschichte schon enorm an Tiefe. Besonders im direkten Vergleich zu Borderlands 1, welches auch mehr durch seine Spielwelt punktete.

Die Stärken des ersten Teils wurden hier sinnvoll verarbeitet und die Spielwelt hat das bekommen, was der Erstling anfangs schmerzlich vermissen musste. Die kleinen Geschichten gestalten das Geschehen und verleihen dem Spiel Charakter. Das kooperative Spiel bringt letztlich den wertvollsten Aspekt mit sich und lässt nahezu keine Wünsche offen. Nahezu jede verdiente Kritik der ersten Episode wurde bereinigt und lässt ein angenehmes und einnehmendes Spielgefühl zurück.

Seit dem Befreiungsschlag von Vivendi scheint der Druck von Ubisoft gefallen zu sein und die Spiele auch wieder mehr an gewohnter Qualität zu gewinnen. Selbst vorhandene Mikrotransaktionen halten sich im Hintergrund und sind nicht wirklich relevant für das eigentliche Spiel. Das ist natürlich nur ein gewisses Mutmaßen, aber gemessen an dem was Ubisoft aktuell an fertigen Produkten abliefern und dem einhergehenden Zeitpunkt, ab dem sich diese Linie wiedergefunden hat, meine ich schon, dass Ubisoft sich wieder merklich mehr auf die Inhalte ihrer Spiele konzentrieren.

Simon

Die große Frage ist aber natürlich noch: Was bietet das Endgame?

Die Dark Zones aus dem ersten Teil haben ein Comeback und sind mit vielen Detailänderungen, dem ersten Teil deutlich überlegen. Zunächst einmal gibt es mehr als nur eine große Zone. Stattdessen bietet The Division 2 jetzt drei kleinere Gebiete. Dadurch sind die PvP-Matches endlich wirklich spannend und variantenreich. Und auch wenn das Endgame insgesamt nicht wirklich revolutioniert wurde, kann man doch von einer sinnvollen Evolution sprechen. Die vielen Detailverbesserungen (nur mal kurz angemerkt: bessere Belohnungen, besseres Matchmaking und verschiedene Varianten klassicher PvP- und PvE-Matches) im Detail zu erläutern würde jetzt den Rahmen sprengen, lasst euch aber gesagt sein: Ich werde noch viele Stunden weiterspielen!

Fazit

The Division 2

von am 11.04.2019

The Division 2 macht so viele Dinge richtig und stellt den direkten Konkurrenten Anthem, massiv in den Schatten. Nahezu alle Kritikpunkte des Vorgängers wurden ausgemerzt und so bleibt hauptsächlich der fehlende Gegner-Charakter zurück, der dem Spiel noch zusätzliche Würze verleihen würde.  Trotzdem erleben wir eine außergewöhnlich lebendige Welt und spannende Missionen, die für viele Stunden begeistern können. 

Grafik: 87,6
Sound: 86,3
Gameplay: 82,6
Spieldesign/ Spielwelt: 88
Spielspaß/ Atmosphäre: 82,3

So wertet Krautgaming:
0-25 ungenügend (6), 26-45 mangelhaft (5), 46-65 ausreichend (4), 66-75 befriedigend (3), 76-85 gut (2), 86-95 sehr gut (1), 96-100 ausgezeichnet (1+)

Über Daniel Machut

Ich bin Chefredakteur bei KRAUTGAMING ! Aufgewachsen in der Steinzeit des Gaming, bin ich noch heute unterwegs in den unterschiedlichsten Welten. Hyrule, Rapture, Eos, das viktorianische London, Sondereinsätze auf der ganzen Welt und selbst die dunklen Tiefen des Weltraums habe ich nicht gescheut. Hier sollt ihr mehr von meinen Reisen in den virtuellen Weiten erfahren...

Kommentare

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StulleSchmeckt 11. April 2019 um 12:46 11.04.2019 - 12:46

Gute Review. War sehr gut zu lesen. Und 3 Meinungen sind besser als eine.
Danke.

Daniel Machut 11. April 2019 um 14:02 11.04.2019 - 14:02

Lieben Dank für das Lob. Freut uns sehr.