Jump Force: Das Krautgaming Doppel-Review

Jump Force: Das Krautgaming Doppel-Review

von am 26.02.2019 - 07:36
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Dominic und Daniel sind seit jeher gewaltige Anime-Fans. Eigentlich auch kaum verwunderlich, wenn man bedenkt, dass beide in der goldenen Zeit des Anime aufgewachsen sind – Die Kickers, Saber Rider, die Poké-und Digimon. Bis schließlich im Jahr 1999 Dragon Ball die hiesigen Mattscheiben eroberte und zum absoluten Massenphänomen avancierte. Durch den Erfolg von Dragon Ball beflügelt, folgten im Laufe der Zeit weitere Reihen, wie Naruto oder One Piece, die ebenfalls zu internationalen Hits wurden und ebenso ihren Anfang in Weekly Shonen Jump nahmen.

So entwickelte sich für die beiden Autoren über das letzte Vierteljahrhundert eine spannende Welt, mit den unterschiedlichsten Helden und Schurken, spannenden Kämpfen und der immer wiederkehrenden Frage, was wohl passieren würde, wenn unsere Lieblingsuniversen aufeinander prallen.

Ob und wie Jump Force diese Frage beantwortet, werden die beiden in den folgenden Absätzen erläutern…

Der Kader

Daniel:

Seit letztem Jahr wurde mein Fan-Herz massiv gestreichelt. Nicht nur Goku, Luffy, Naruto und deren Freunde (wie auch Feinde) wurden für das Anime-Crossover angekündigt. Mit 40 Charakteren deckt das Spiel eine ordentliche Bandbreite der erfolgreichsten, japanischen Shonen Jump Serien-Helden ab.

Meine Euphorie könnt ihr euch gar nicht vorstellen, als ich die ersten hochauflösenden Bilder von Ichigo, Renji und Rukia zu sehen bekam, die allesamt aus der Manga- und Anime-Serie BLEACH stammen. Endlich ein cooles Kampfspiel mit meinen Lieblingshelden. Und dann auch noch den ersten Trailer mit Light Yagami und Shinigami Ryuk. Ein Moment des Herzrasens ?

Dominic:

Ja, ich kann mich Dani hier nur anschließen. Der hochkarätige Kader lässt wirklich kaum Wünsche offen. Tatsächlich übertrifft man hier sogar den indirekten Vorgänger, J-Stars Victory VS+, der 2015 zwar stolze 52 Recken bot, von denen letztlich aber nur 39 spielbar waren.

Zwar hätte ich persönlich auf einige Charaktere aus Dragon Ball, One Piece oder Naruto (die allesamt bereits eigene Spiele vorweisen können), zugunsten weniger bekannter Figuren verzichten können. Doch natürlich ist es nicht verwunderlich das die populärsten Reihen hier auch mit den meisten Kämpfern vertreten sind.

Daniel:

Besonders interessant ist aber die Erstellung der eigenen Figur. So könnt ihr euren ganz eigenen Helden kreieren und diesen im Verlauf des Spiels, mit immer weiteren freischaltbaren Objekten aus den einzelnen Jump-Welten ausrüsten. Nahezu alle Anpassungen, egal ob Fertigkeiten oder optische Details, bewegen sich in Anlehnung zu den Jump-Charakteren und sind frei kombinierbar. Zu Beginn des Spiels wählt ihr aus 3 Jump-Teams, deren Leader natürlich keine geringeren Figuren als Goku, Luffy und Naruto sind. Dadurch bestimmt ihr primär eure Startfähigkeiten und habt nebenbei noch den persönlichen Effekt eurem Liebling die Zugehörigkeit zu bekennen. Wie zuvor erwähnt, könnt ihr aber auch Fähigkeiten anderer Lager zu eurer Figur hinzufügen. Ihr wollt also Narutos Rasengan entfesseln und trotzdem eine Genkidama, ganz im Stil von Goku, hinterher feuern. Kein Problem! Jump Force macht es möglich.

Schade ist nur, dass abseits der vorausgewählten Fähigkeiten, die Wahl des Teams keinen nachhaltigen Einfluss auf das Spiel hat…

Dominic:

Und das ist sogar noch untertrieben! Tatsächlich wird im Einstieg angedeutet, dass die einzelnen Teams unterschiedlichen Aufgaben nachgehen und man sich die Entscheidung daher gut überlegen sollte. Doch letzten Endes ist diese Wahl beinahe schon irrelevant. Bis auf wenige Ausnahmen bleibt die Geschichte immer dieselbe und auch Gameplay sowie Aufgabenstellungen bleiben unverändert. Hier verschenkt man viel Potenzial!

Apropos verschenktes Potenzial… Auch der Charaktereditor konnte mich nur bedingt überzeugen. Die Auswahl an unterschiedlichen Frisuren, Augenformen oder ähnlichem, ist nicht überwältigend, aber prizipiell in Ordnung. Doch hinsichtlich der Körperform lässt sich nur wenig individualisieren. So sehen sich die meisten Spieler-Charaktere (die man ja zuhauf durch die Hub-Welt hüpfen sieht) doch ein wenig ähnlich. Überzeichnete Formen, also längere Beine, ein fetter Stiernacken oder dergleichen, bleiben den Jump-Helden vorbehalten. Das mag Meckern auf hohem Niveau sein (für ein Prügelspiel zumindest), doch für mich gehören stilistisch überzeichnete, cartoonhafte Charaktere einfach zum Manga- bzw. Anime-Flair dazu.

Aber genug davon. Reden wir doch mal über die Story des Spiels. Schließlich prallen in Jump Force einige der bekanntesten Manga-Charaktere der letzten 50 Jahre aufeinander. Da werden Bandai Namco doch sicher keine Kosten und Mühen gescheut haben, um diesen Ikonen eine epische und mitreißende Geschichte zu spendieren, oder?

Besonders die Partikel-Effekte sind eine Augenweide

Die Story

Daniel:

Dass es grundsätzlich nicht ganz einfach ist Crossover-Geschichten zu erzählen ist nach Beispielen wie Mortal Kombat vs. DC Universe oder Marvel vs Capcom nicht ganz unbekannt. Doch die grundsätzliche Idee der gebildeten Jump Force verknüpft die Geschichte eigentlich ganz sinnvoll. Während das erste Kapitel sich überwiegend mit dem Rekrutieren von neuen Helden beschäftigt, die der JF beitreten sollen um eine mysteriöse Bedrohung zu bekämpfen, zieht die Geschichte erst richtig an, wenn man zum ersten Mal auf Light Yagami trifft.

Dieser dürfte Anime-Fans aus Death Note bekannt sein und befindet sich auf der Suche nach dem tödlichen Notizbuch, welches er aus einer Laune des Shinigami Ryuk erhalten hat.

Über den weiteren Verlauf möchte ich, trotz einer gewissen Vorhersehbarkeit, nicht mehr all zu viele Worte verlieren. ‘Episch’ ist im Zusammenhang mit der Geschichte das falsche Wort. Wenn man sich aber die Grundstrukturen der jeweiligen Serien vor Augen hält, kann man von einer soliden Erzählung sprechen, die auf DragonBall-Niveau unterhält.

Das Problem für die Geschichte sehe ich anderenorts. Nämlich auf technischer Seite und stellenweise in der Verknüpfung mit dem HUB.

In Momenten, in denen Spannung aufgebaut wird und man sich bereits auf den nächsten Fight freut, stehlen mir die Ladezeiten zwischen den Sequenzen und Kämpfen jegliches Erzähltempo und aufgebaute Atmosphäre. Ich fühle mich herausgerissen und manchmal sogar richtig angenervt.

Hier war die separate Kampagne in DragonBall FighterZ die angenehmere Lösung und hätte auch Möglichkeiten geboten, unterschiedliche Handlungsstränge für die einzelnen JF-Teams einzubinden.

In der Hub-Welt trefft ihr auf die verschiedenen Charaktere der Jump Force

 

Dominic:

Selbst wenn die viel zu langen Ladezeiten nicht wären und die Entwickler sich den Umweg über die Hub-Welt gespart hätten, käme die Story auch in meinen Augen nicht über ein solides Niveau hinaus. Das liegt meines Erachtens auch an der schwachen Regie, der es in den häufig nur spärlich animierten Zwischensequenzen nicht so wirklich gelungen will Spannung aufzubauen. Als Fan darf man sich immerhin noch über die gelungene japanische Synchronisation freuen. Diese hört man allerdings nicht allzu oft, da ein Großteil der Sequenzen im Visual-Novel-Style, also puristisch und mit einfachen Textboxen erzählt werden. Alles in allem haben die letzten Einzeltitel aus den Naruto, Dragon Ball oder One Piece-Welten hier somit bessere Arbeit geleistet.

Als Fan hat das meinen Enthusiasmus für den Titel zwar nicht zu sehr getrübt, dennoch hätte hier ein bisschen mehr Feinschliff sicher Wunder gewirkt. In vielen Momenten wirkt es einfach so, als hätten sich die Entwickler mit dem Fan-Service des Titels begnügt und einige Elemente nicht sauber zu Ende gedacht.

So sind selbst einige der Menüs recht unübersichtlich und vor allem umständlich gestaltet. Wollt ihr beispielsweise gegen einen Kumpel zocken, müsst ihr diesen jedesmal erneut über ein Terminal in der Hub-Welt zum gemeinsamen spielen einladen. Das ist nicht nur umständlich, sondern zehrt (besonders wegen den Ladezeiten) auch enorm an den Nerven!

Dass man trotzdem immer wieder zum Weitermachen motiviert wird, hat Jump Force zwei Gameplay-Elementen zu verdanken. Da wäre das bereits erwähnte Aufleveln des eigenen Charakters, den man durch neue Klamotten, wie auch hochstufbare Moves immer weiter verbessert und individualisiert. Hinzu kommt das spaßige und vor allem spektakuläre Kampfsystem!

Die Kämpfe

Daniel:

Spektakulär trifft es. Denn was das Spiel in Sachen Story und Komfort vernachlässigt, macht es in den Kämpfen selbst umso besser.

Jump Force inszeniert nicht nur ein Effekt-Feuerwerk, sondern lässt sogar ein nahezu taktisches Element wirken. Es sind keine großartigen Kombos nötig um einen Kampf zu bestreiten, aber das Timing und die Wirkung von diversen Attacken will wohlüberlegt sein.

Dies liegt einerseits an den Reichweiten der jeweiligen Attacken und andererseits auch an der limitierten Einsatzmöglichkeit von schnelleren Bewegungsaktionen, wie beispielsweise der Verfolgung.

Da man in der Regel mit einem 3er Team antritt, ist selbst hier abzuwägen, ob eher eine Unterstützungsattacke sinnvoll ist oder vielleicht sogar der direkte Wechsel der Figur. Hierbei muss man hervorheben, dass es nicht (wie bei den meisten anderen Titeln) relevant ist, wie viel Schaden eine bisherige Figur erlitten hat, denn die Gesundheitsanzeige gilt pro Runde für alle Team-Mitglieder.

Dominic:

Wer Dragon Ball Xenoverse oder One Piece Burning Blood gespielt hat, weiß bereits was ihn erwartet. Denn selbst Spezialattacken werden über simple Tastenkombinationen ausgelöst. Daneben gibt es mit Block-, Ausweich- und Konter-Moves weitere Aktionsmöglichkeiten, die gemeistert werden wollen. Dadurch ergibt sich selbst für unerfahrene Spieler eine steile Lernkurve, deren größte Herausforderung im bereits benannten Timing liegt.

Leider hilft das oberflächliche Tutorial nur wenig beim Versuch, die eigene Kampftechnik zu verbessern. Somit muss man oftmals selbst herausfinden, wann der richtige Moment für einen Konter ist oder mit welchem Move man den Angriff des Gegners negiert. Da hilft letzten Endes nur Übung. Aber darum geht es ja schließlich auch in einem Prügelspiel.

Zwar kommt man in Jump Force zu Beginn auch durch Button-Mashing weiter, doch an hochstufigen KI-Gegnern oder menschlichen Kontrahenten beißt man sich ohne erlernte Feingefühl der Mechaniken, doch sehr schnell die Zähne aus. In diesem Sinne bietet auch die umfangreiche Story einen angenehm steigenden Schwierigkeitsgrad.

Leider geht bei den effektgeladenen Auseinandersetzungen auch schnell mal die Übersicht verloren, was bei den hektischen Gefechten schnell fatal enden kann. Besonders drastisch wirkt sich das auf Couch-Koop Spieler aus, die nicht wie üblich am geteilten Bildschirm spielen, sondern sich einen Bildschirm teilen. Hierbei schwebt die Kamera immer hinter dem Spieler, der den letzten Treffer gelandet hat, was besonders zu Beginn sehr verwirrend sein kann.

Zudem kommt es bei Online-Kämpfen häufiger zu Lags und Verbindungsabbrüchen, wodurch der Spielspaß ebenfalls einen Dämpfer kassiert. Dass es mit den 3 gegen 3 Gefechten nur einen einzigen Kampfmodus gibt ist ebenfalls enttäuschend und ein weiterer Hinweis darauf, dass sich die Macher hier nur mit dem nötigsten Umfang zufriedengegeben haben.

 

Fazit

Daniel: 

Optisch ein Knaller und die Fights wissen zu begeistern. Die Auswahl an spielbaren Charakteren ist einfach für jeden Manga- und Anime-Fan ein Fest und die daraus resultierenden Effekt-Gewitter (finde ich persönlich) sind einfach bombastisch inszeniert.

Die Story ist solide, aber weit entfernt von Begrifflichkeiten wie “bahnbrechend”. Trotzdem versprüht sie ihren gewissen Charme, der Vorfreude auf weitere Charaktere erzeugt, die uns in der Geschichte begegnen.

Technisch ecken bei mir besonders die Ladezeiten an. Besonders im Spiel mit Freunden zerrt dieser Umstand doch sehr an meinem sonst ausgedehnten Geduldsfaden.

Grafik: 85

Sound: 73

Gameplay: 80

Spieldesign/Spielwelt: 67

Spielspaß/Atmosphäre: 76

Dominic:

Bandai Namco und Spike Chunsoft liefern einen routinierten Prügler ab, der vor allem durch seinen umfangreichen Kader überzeugen kann. Neben der hübschen Optik sorgt auch das Freischalten neuer Kostüme und Attacken für langanhaltenden Spielspaß.

Doch wie bereits erwähnt wirkt es, als haben sich die Macher zu sehr mit diesem Fan-Service begnügt. Dabei wäre hier an allen Ecken und Enden noch etwas Feinschliff nötig gewesen. So leidet vor allem die Story unter schwach inszenierten Zwischensequenzen und den zum Teil minimalistisch animierten Charakteren.

Dazu kommen die nervigen, technischen Macken, wie die viel zu langen Ladezeiten und Lags während Online-Partien. Eine größere Auswahl an Spielmodi hätte zudem ebenfalls nicht geschadet. So bleibt hier ein solider Prügler, der leider viel von seinem Potenzial verschenkt.

Grafik: 80

Sound: 73

Gameplay: 83

Spieldesign/Spielwelt: 66

Spielspaß/Atmosphäre: 76

Jump Force 

von am 26.02.2019

Zusammengefasste Wertung beider Redakteure: Das Spiel hat klare Schwächen, bietet aber besonders der Hauptzielgruppe ( nämlich den Fans) nicht nur ansprechenden Content, sondern auch herausragende Crossover-Fights. 

 

So wertet Krautgaming:
0-25 ungenügend (6), 26-45 mangelhaft (5), 46-65 ausreichend (4), 66-75 befriedigend (3), 76-85 gut (2), 86-95 sehr gut (1), 96-100 ausgezeichnet (1+)

Über Daniel Machut

Ich bin Chefredakteur bei KRAUTGAMING ! Aufgewachsen in der Steinzeit des Gaming, bin ich noch heute unterwegs in den unterschiedlichsten Welten. Hyrule, Rapture, Eos, das viktorianische London, Sondereinsätze auf der ganzen Welt und selbst die dunklen Tiefen des Weltraums habe ich nicht gescheut. Hier sollt ihr mehr von meinen Reisen in den virtuellen Weiten erfahren...

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