Review – The Vanishing of Ethan Carter

Review – The Vanishing of Ethan Carter

von am 02.10.2014 - 09:00
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Der Trailer für The Vanishing of Ethan Carter von der gamescom ließ mich dem Spiel eher kritisch entgegen blicken, da mich die grafischen Elemente und Abläufe sehr an das enttäuschend einfache Murdered: Soul Suspect erinnerten. Doch The Astronauts haben hier ganze Arbeit geleistet und ein spannendes wie kniffliges Adventure geliefert.

Die Grafik

Startet man das Spiel, geht es in einem Eisenbahntunnel los, von dem aus ich einen typisch mitteleuropäischen Wald betrete – und was für ein Wald! Der erste Eindruck lässt mich sprachlos auf den Bildschirm starren, denn die fast photorealistische Umgebung sieht zusammen mit dem großartigen Lichteinfall und der frühabendlichen Stimmung einfach phantastisch aus.

Das menschenleere Red Creek Valley besitzt eine unheilvolle Atmosphäre, trotz der hübschen und imposanten Umgebung, die sich über den Wald hinaus in eine Talsperre, eine Kirche samt Friedhof sowie noch mehr Wälder und eine Mine erstreckt. Die ganze Umgebung ist so ergreifend, dass ich zu Tode erschrecke, wenn Paul plötzlich anfängt zu reden, wenn doch gerade noch absolute Stille herrschte.

Wunderschöner Wald

Wunderschöner Wald

Wer sich an Details erfreut, der ist in diesem Tal genau richtig. Ob nun das Absperrband, das im Wind flattert, abgeplatze Farbe, morsches Holz, sattes Gras oder Felsformationen – alles ist einfach großartig anzusehen und bleibt auch schön bis zum Schluss. Teilweise komme ich mir vor wie ein Foto-Tourist, weil ich mir viel Zeit nehme, um die Landschaft im richtigen Winkel samt Atmosphäre in einem Screenshot einzufangen.

Menschen sieht man lediglich tot und blutüberströmt oder in den übersinnlichen Visionen. Trotzdem wirken sie lange nicht so beeindruckend wie ihre Umgebung, sondern eher wie Spielfiguren, die dort platziert wurden.

Vollendet wird die grandiose Optik durch die Soundkulisse. Geräusche und Musik werden so eingesetzt, dass sie die verschiedensten Emotionen hervorrufen können. So kann es in der gleichen Art von Wald gleichzeitig erholsam und natürlich ruhig, aber auch nervenstrapazierend bedrohlich sein.

Die imposante Talsperre

Die imposante Talsperre

 

Das Gameplay

Da mein profilierter Protagonist Paul Prosporo über keinerlei Waffe oder Inventar verfügt, ist die Steuerung sehr überschaubar gehalten. Wie üblich lässt Paul sich über W-A-S-D in der Richtung steuern und er kann sich mit Bewegungen der Maus umsehen. Er kann sprinten (Shift), sich ducken (Strg), über E und Q die Chronologie eines Falls festlegen und über Mausklicks mit Objekten interagieren – das ist auch schon alles, was man benötigt, um durch das Spiel zu kommen.

Durch die wenigen zur Verfügung stehenden Tasten ist die Steuerung sehr intuitiv und schnell erlernt, sodass man sich auf alles andere im Spiel konzentrieren kann. Wann immer man nah an ein Objekt heran kommt, das für die Lösung einer Geschichte wichtig ist, erscheint die Interaktionsmöglichkeit in Form eines schwebenden Worts darüber. Das Schöne daran ist, dass man die Gegenstände wirklich finden muss und sie einem nicht von Weitem schon entgegen blinken, was es an einigen Stellen echt knifflig macht, sie zu finden, wenn zum Beispiel gesuchter Gegenstand ein Stein ist, der irgendwo im umliegenden Wald herum liegt.

Fliegende Wörter im Grusellabor

Fliegende Wörter im Grusellabor

An einigen Stellen findet man Hinweise, wo ein gesuchter Gegenstand sich befindet, in dem man in einer kurzen Kamerafahrt anhand der Umgebung erahnen darf, wo in etwa sich das gesuchte Objekt verbirgt. Ich mag das sehr, wenn man nicht alles sofort auf dem Silbertablet serviert bekommt und erst einmal ratlos in einer Umgebung umsehen muss, um sich nach und nach ein Bild zu machen. Hat man alle relevanten Objekte entdeckt, kann man seine übersinnlichen Fähigkeiten nutzen, um ein Abbild der letzten Momente einer Leiche auf die Umgebung zu projezieren. Kann man diese chronologisch ordnen, erfährt man in kurzen Szenen, was genau passiert ist und erhält am Ende einen Hinweis, in welche Richtung die Spur zu Ethan Carter weiter verläuft.

Die Story (leichte spoiler!)

Von Anfang an legt sich eine sehr bedrückende und spürbar gruslige Atmosphäre über das Spiel, trotz all der schönen Umgebung. Kein lebender Mensch weit und breit und ich bin völlig allein in dem großen Gebiet. nur der Wind und Rufe von Krähen, die ich nicht sehen kann, begleiten mich.

Schaut man sich abseits der Tatorte etwas um, entdeckt man so einige seltsame Dinge, die sich im Wald abspielen: Etwa einen Astronauten, der mich zu einer Raumkapsel führt, ein Haus voller Portale, dessen Räume man wieder in die richtige Reihenfolge bringen muss, um in die geheime Kammer des Zauberers vorzudringen, oder eben der düstere Seitenarm der Mine, der in einen Schacht voller Minen führt, wo man von Zombies verfolgt Leichen finden muss, um zu entschlüsseln, wie man das seltsame Portal öffnen kann, dass sich tief unten im Schacht befindet.

Okaaaay. Wer bist du jetzt noch mal?

Okaaaay. Wer bist du jetzt noch mal?

Löst man eines der seltsamen Rätsel, erhält man einen Hinweis darauf, dass die Situation nur eine Vision Ethans war, die er sich erdacht hat um etwas real passiertes zu verarbeiten und seinen Ängsten und Gefühlen Ausdruck zu verleihen.

Mit jedem Schritt in der Story entwirrt man das Rätsel um Ethan ein klein wenig mehr und kommt dem großen Mysterium um “den Schläfer” etwas näher. Wer durch das Spiel hastet und etwas übersieht, wird am Ende feststellen, dass er noch einmal zurück muss, um das große Rätsel ganz zu lösen, so wie ich noch einmal in die Minen zurück kehren musste.

Schwingt im gesamten Spiel der Grusel eher unterschwellig mit, dreht das Spiel im Minenschacht noch einmal ordentlich auf. In einem Labyrinth aus Fels und Kerzen irrt man umher und urplötzlich fällt der Lichtschein einer quitschend wackelnden Öllampe aus einem Seitengang. Kurz darauf tritt ein Zombiepriester heraus, bleibt stehen und sieht sich um. Wenn er dich sieht ist es bereits zu spät und egal wohin du rennst, er wird vor dir auftauchen. Also lauf! Lauf, dreh dich nicht um und auf gar keinen Fall darfst du blinzeln. Blinzel und du bist tot.

Wirklich – der Part hat mich ängstlich zittern lassen, während ich durch die Gänge irrte. Ich bin aber auch anfällig für jede Art von Grusel und ein leichteres Opfer als ein dreijähriges Waisenmädchen.

Zu spät. Er hat mich gesehen.

Zu spät. Er hat mich gesehen.

Fazit

Leider ist das Spiel nach bereits vier Stunden schon wieder vorbei, und das auch noch mit einem Ende, dass kürzer und schmerzloser nicht sein könnte. Das ist auch das einzige, aber große, Manko am Spiel. Auf einmal ist es vorbei und ich hätte noch große Lust, hunderte weitere Rätsel zu lösen.

Wenn ich aber so darüber nachdenke, dann ist die Story in sich völlig stimmig. Weder fehlt etwas, noch ist etwas zu viel. Es ist eines der wenigen Spiele, die sich trauen, von einem üblichen Ende abzuweichen. Kein Happy End mit lachenden und sich liebenden Menschen, niemand der jubelt, weil das Böse besiegt ist. Ich mag das total. Des Rätsels Lösung ist ein bisschen vorhersehbar, ein bisschen überraschend und einfach vollkommen nachvollziehbar.

Der Friedhof. Ist ja noch nicht gespenstig genug.

Der Friedhof. Ist ja noch nicht gespenstisch genug, die Gegend.

 

Auf alle Fälle haben The Astronauts mit the Vanishing of Ethan Carter ein tolles Spiel erschaffen mit viel Potenzial und ich hoffe, es wird nicht das letzte dieser Art gewesen sein.

Das Spiel gibt es seit dem 26. September 2014 für PC und ist für 2015 auch für Playstation 4 geplant.

The Vanishing of Ethan Carter

von am 02.10.2014

The Vanishing of Ethan Carter ist ein atmosphärisches Kunstwerk, dass mit einer spannenden und stimmigen Story überzeugen kann. An den Rätseln beißt sich auch niemand groß die Zähne aus, trotzdem sind sie lange nicht so lächerlich einfach wie in anderen Adventures. Lediglich die kurze Spielzeit ist ärgerlich, doch auch wenn ich die Lösungen bereits kenne, hat es allein aufgrund der Umgebung einen Wiederspielwert.

Über Katta

Vollprofi-Softwaretesterin mit Passion für Games & Bücher

Kommentare

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Kamryn 9. August 2016 um 06:31 09.08.2016 - 06:31

It looks to me that this web site doesnt load in a Motorola Droid. Are other folks having the exact same problem? I enjoy this website and dont want to have to miss it when Im away from my coutepmr.

Rimbaud 7. Oktober 2014 um 12:38 07.10.2014 - 12:38

Coole Review, hört sich interessant an.