Eine Ode an… Uncharted

Eine Ode an… Uncharted

von am 18.06.2011 - 17:48

Videospieler aufgepasst, hier kommt die langerwartete Ode über einen ganz speziellen Helden. Er ist nicht der brutalste (Kratos), nicht der coolste (Dante), nicht der spitzohrigste (Link), nicht der agilste (der Prinz) und nicht der berühmteste (Mario) Videospielcharakter. Dafür aber der menschlichste und vor allem der sympathischste. Ode frei für Nathan “Nate” Drake und die Spiele-Serie Uncharted!

Als das erste Uncharted seinerzeit erschien, wusste ich nach den ersten bewegten Bildern, dass ich es einfach haben musste. Dringender als alles andere, dringender als Luft zum Atmen, dringender als Mario seine Mütze und dringender als Sauron seinen Ring. Einen kurzen Gang zum nächsten Spielehändler und eine durchzockte Nacht später, wusste ich sofort: Das war bei weitem nicht das letzte Mal, dass ich mit Nate verborgene Schätze gesucht habe.

Für Außenstehende mag Uncharted dabei als “netter” Indiana Jones meets Stirb Langsam Klon dastehen, für Eingeweihte als eines der besten Spiele aller Zeiten. Und das liegt (mal abgesehen von toller Grafik, phänomenalem Sound, präziser und eingängiger Steuerung, spannender Story, tollem Setting und exzellentem Spieldesign mit einer Mischung aus Ballern, Klettern, Rätseln und Fahrzeugsequenzen) am Hauptcharakter.

Nate ist einfach der sympathischste Videospielcharakter schlechthin. Er ist kein Übermensch wie Kratos oder Dante und hat auch keine besonderen Fähigkeiten, aber das macht ihn noch lange nicht zum Waschlappen. Er hat auch nicht unendlich viel Geld und Ultra-Hightech-Ausrüstung wie der Dunkle Ritter. Gleichzeitig hat er aber auch nicht  gewaltig einen an der Klatsche, wie etwa der Joker (um im Comic-Milieu zu bleiben). Der Vergleich mit Bruce Willis alias John McClane funktioniert eigentlich ganz gut: Er ist ein netter Typ, der weiß, wie man mit Knarren umgeht und zur falschen Zeit am falschen Ort ist.

Und dementsprechend spielt sich Nate auch: Er kann zwar überdurchschnittlich gut klettern und kennt sich mit Geschichte aus, aber das tut Desmond Miles auch. Und während Desmond alias Altair alias Ezio locker einen Sturz von einem Dach auf die 10 Meter tiefer gelegene Straße überlebt, tut Nathan Drake das eben nicht. Nate ist ein ganz normaler Typ, der seine Grenzen hat. Und in den Kämpfen tut er sich auch dementsprechend schwer. Denn, wenn man es ganz genau nimmt, sucht er keine Konflikte, er gerät nur immer in schwierige Situationen, aus denen er sich meist mit roher Gewalt befreien muss.

An dieser Stelle fühle ich mich einfach verpflichtet, auf die seinerzeit genannten Kritikpunkte (zu hoher Schwierigkeitsgrad und zu wenig Rätsel) einzugehen. Wem der Schwierigkeitsgrad zu hoch: Noob! Wenn man in der Wirklichkeit aus einer Distanz von einem halben Meter mit einer SAS Kaliber 50 angeschossen wird, ist man eben tot. Genauso, wenn man von einer Dragunov (einem Scharfschützengewehr) getroffen wird, dessen Kugeln so fett sind, dass man nach einem Headshot eigentlich keinen Kopf mehr hat. Damit betrachte ich das Argument des zu hohen Schwierigkeitsgrad zugunsten eines hohen Realitätsgrades (natürlich abgesehen vom Mystery-Ende…) für widerlegt.

Und nun zu den angeblich zu wenigen Rätseln. Da sage ich nur: Nate ist nicht Lara Croft. Erstens fehlen ihm dazu 2 grundlegende Argumente (Männer verstehen die Anspielung), zweitens braucht er keine 2 Knarren gleichzeitig und drittens ist er eben cool. Außerdem heißt das Genre schließlich auch Action und nicht Riddles (auch wenn das Edward Nygma sicherlich gefallen würde…).

Gut, damit zu Uncharted 2: Among Thieves. Muss ich dazu wirklich noch etwas sagen? Ich will es mal so ausdrücken: Selbst wenn schon zum gefühlten 126.498.563. Mal der Schlussfilm vor meinen Augen abläuft, lache ich immer noch wenn Nate auf Elenas Frage “4” antwortet. Der Rest ist noch kernigere Ballerei, noch mehr Waffen, noch mehr Action, eine noch bessere Inszenierung (vor allem die Kamerafahrten und die deutsche Synchro verdienen Respekt) angereichert mit neuen Charakteren und dem gelungenen Element des lautlosen Ausschaltens.

Hiermit geht also eine absolute Kaufempfehlung für alle Uncharted-Spiele raus. Glaubt mir, nachdem ihr einmal mit Nathan Drake auf die Suche nach Eldorado und Shambhala gegangen seid, sind der Masterchief, Marcus Fenix, Dante, Lara Croft und der persische Prinz nur noch (zugegebenermaßen coole) Maulhelden. Doch die Spielewelt braucht mehr Helden wie Nate. Und mehr Spiele wie Uncharted.

Patrick Beckerle ist Redakteur bei Krautgaming und reiner PlayStation 3 Zocker, außerdem hat er Uncharted 2: Among Thieves bereits 14 Mal durchgespielt.

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