Little Big Planet 2 reviewed

Little Big Planet 2 reviewed

von am 06.02.2011 - 15:23

Endlich ist es soweit: Der Sackboy kehrt mit seinen Freunden auf die PlayStation 3 zurück und möchte mit Little Big Planet 2 den großartigen und viel gelobten Vorgänger noch übertreffen. Wenn ihr wissen wollt, ob das gelungen ist und was es eigentlich neues im Little Big Planet Universum gibt, dann lest unser Review!

Zuallererst ein kleiner Rückblick auf den Vorgänger Little Big Planet aus dem Jahr 2008: Was war es eigentlich, das das Jump ‘n’ Run rund um die Sackboys und Sackgirls so einzigartig und beliebt machte? Nun, sicherlich gibt es viele Gründe, doch das zentrale Thema des Spiels bleibt die Kreativität. Alles im Spiel ist derart kreativ gestaltet, liebenswürdig, charmant und humorvoll, dass man den Sackboy einfach in sein Herz schließen muss. Doch anstatt sich auf vorgegebene Levels zu beschränken, gibt Little Big Planet dem Spieler einfach die Möglichkeit, sich seine eigenen Levels zu bauen und sie mit vielen anderen Spielern zu teilen. Produzieren statt Konsumieren ist demnach also angesagt. Und viele Spieler haben die Chance genutzt und so sind bis heute Abermillionen von einzigartigen Community-Levels entstanden. Es lasten also hohe Erwartungen auf dem Nachfolger.

Sackboy 2.0


Da ist es also. Der Nachfolger des Spiels, das mir viele schlaflose Nächte bereitet hat. Der Nachfolger des Spiels, mit den kultigsten Protagonisten der Videospiel-Geschichte. Der Nachfolger des Spiels, das jedem gefällt, der es einmal spielt. Der Nachfolger von Little Big Planet. Little Big Planet 2. Und eines vorweg: Little Big Planet 2 ist ein würdiger Nachfolger.

Schon bevor es überhaupt losgeht, ist mir das Spiel bereits sympathisch: Bevor ich überhaupt im Spielbildschirm ankomme, werde ich gefragt, ob ich meine Kostüme, Dekos und Sticker aus dem Vorgänger übernehmen will. Ich überlege natürlich nicht lange und schon ist das Ja-Feld ausgewählt. Ich komme in der Zentrale an: Die Zentrale? Genauso, wie ich sie zurückgelassen habe. Der Sackboy? Genauso wie ich ihn zurückgelassen habe. Der Computer? Nicht so, wie ich ihn zurückgelassen habe. Ja, der Computer ist anders als gewohnt. Genauso wie vieles in Little Big Planet 2. Media Molecule hat die perfekte Balance aus vertrauten Elementen und sinnvollen Neuerungen gefunden. Veteranen erscheint zwar alles auf wohlige Weise vertraut, trotzdem gibt es genug Neuerungen, damit auch sie erneut vor den Bildschirm gefesselt werden.

Doch nun gleichmal zum Spielablauf. Bevor es an die eigentlichen Story-Levels geht, gilt es erst einmal ein Tutorial abzuschließen, das euch mit den wichtigsten Elementen der Steuerung und des Spielablaufs vertraut macht. Das Tutorial ist wieder sehr liebevoll gemacht und strotzt vor guten Einfällen – so werden Namen und Fotos der Entwickler auf Schienen an euch vorbeigefahren oder erscheinen aus dem Nichts – und Kreativität, lässt sich aber nicht überspringen. Doch schon bald zeigt sich der Grund dafür: Am Ende des Levels bricht ein riesiges Monster durch die Decke! So etwas war man von Little Big Planet nicht unbedingt gewöhnt! Und kurz darauf folgt die nächste Neuerung: eine richtige Zwischensequenz, die die Story vorantreibt. Ja, richtig gelesen! In Little Big Planet 2 gibt es eine richtige Story! Zwar gewinnt auch die nicht unbedingt den Preis für das unvorhersehbarste Ende aller Zeiten, dennoch ist sie weit mehr als ein bloßes Mittel zum Zweck!

Spielen

Euer Weg bis zum finalen Oberboss führt euch durch sechs Welten mit einem eigenem Thema, die alle aus jeweils sechs bis acht Levels bestehen. Damit ist Little Big Planet 2 etwas üppiger ausgefallen aus der Vorgänger, doch auch abgesehen davon gibt es einiges, was euch noch eine ganze Weile vor dem Bildschirm halten wird. Doch dazu später mehr. Im Verlauf der Story-Levels mausert ihr euch zum Helden der Allianz. Euer Gegner ist allerdings nicht die Horde (ha ha), sondern das eingangs erwähnte riesige Monster namens Negativitron. Dieses bringt nämlich böse Gedanken nach Little Big Planet und verwandelt harmlose Kreaturen in echte Fieslinge. Um das Monster zu stoppen, müsst ihr die zerrüttete Allianz wieder aufbauen und neu zusammenführen. Euer Hauptverbündeter ist dabei Larry Da Vinci, ein komisch aussehender Zeitungshaufen mit 3D-Brille. Wenn euch dieser Charakter schon abgedreht erscheint, solltet ihr erst einmal den sprechenden Notizkalender oder das Großmaul Avalon Zentrifuge sehen….

Doch jeder Sackboy ist nichts ohne seine Verbündeten! Und die heißen in diesem Fall: verrückte Gadgets und Sackbots!

Wer Little Big Planet gespielt hat, erinnert sich bestimmt noch an den Jetpack, der in manchen Levels zu finden war. Diesen gibt es zwar in Little Big Planet 2 nicht mehr, aber dafür gibt es andere Gadgets, die Sackboy im Kampf gegen das Negativitron helfen. Die Dinger findet ihr an bestimmten Stellen in den Levels und ihr dürft sie mitnehmen, sie sind nicht wie der Jetpack mit dem Spender verbunden. Wenn ihr allerdings das Zeitliche segnet, verliert ihr auch eure Ausrüstung und müsst erst einmal einen neuen Spender finden. Zu den Hilfsmitteln, die ihr aufsammeln könnt, gehört beispielsweise der Enterhaken, mit dem ihr euch an höhergelegene Stellen zieht und weite Abgründe überwindet. Aber es gibt auch Waffen: So wie den Backinator, die wohl abgedrehteste Waffe der Videospiel-Geschichte: Dieses Wunderwerk der Vorstellungskraft verschießt Kuchen, der nach kurzer Zeit explodiert. Muss man dazu noch mehr sagen?

Ansonsten bleibt in den Levels aber das meiste wie gewohnt: Ihr hüpft mit eurem Sackboy durch die einzelnen Levels, sammelt währenddessen Sticker und Dekorationen auf und verweist Gegner in ihre Schranken, Genre-typisch mit einem Sprung auf den Kopf. Wer sich jetzt denkt: “Halt, ich dachte man könnte das Genre in den Levels ändern?”, hat absolut Recht. Little Big Planet 2 ist nur an der Oberfläche ein Jump ‘n’ Run, aber es gibt viele Einschnitte anderer Genres: So gibt es beispielsweise einige Shoot ’em Up Passagen, bei denen ihr einfach eure Kanonen ohne jede Pause alles, was irgendwie nach Gegner aussieht, durchsieben lasst. In den Versus-Leveln (dazu später mehr) gibt es beispielsweise ein Rennspiel, das an Mario Kart erinnert. Dazu kommen noch Levels, in den ihr eure grauen Zellen durchaus auf Trab bringen müsst, wenn es darum geht, zwei Sackbots, die sich absolut gleich verhalten, auf zwei Ebenen mit unterschiedlichen Hindernissen gleichzeitig ins Ziel zu bringen. Ach ja, was hat es eigentlich mit den Sackbots auf sich?

Die Sackbots sind kleine Roboter, die ihr in vielen der Levels aufsammeln könnt. Sie dienen vor allem der Lösung von Rätseln und der Bewältigung von Geschicklichkeits-Passagen. Diese kleinen Gehilfen folgen dem Sackboy nämlich auf Schritt und Tritt, allerdings sind sie auf die Befehle ihrer Meister angewiesen. So müsst ihr sie beispielsweise mit speziellen Magneten zu Schaltern manövrieren, sie auf höher gelegene Ebenen werfen oder schlicht und einfach aus Käfigen befreien, damit sie Vorrichtungen aktivieren. Was sich in der Theorie recht einfach anhört, kann allerdings in der Realität um einiges schwieriger werden. Denn die Sackbots sind keineswegs unzerstörbar, im Gegenteil, sie gehen sehr leicht kaputt und dann müsst ihr unter Umständen einen langen Rückweg in Kauf nehmen, um Neue zu holen.

Nun noch einige Worte zu den Level-Arten. Neben den bereits beschriebenen Story-Leveln gibt es nämlich noch Neben-, Versus- und Bosslevel. Bei den Nebenleveln handelt es sich im Grunde um Minispiele, in denen ihr in einer vorgegebenen Zeit möglichst viele Punkte sammeln müsst. Je mehr Punkte ihr einheimst, umso mehr Preisblasen bekommt ihr am Ende des Levels. Versuslevel sind für Einzelspieler uninteressant, sobald ihr sie aber mit mindestens einem Mitspieler zockt, entwickeln sie sich zu einer echten Spaßgranate. Besonders hervorzuheben: Basketball auf Sackboy Art. Dann wird um jeden Ball gekämpft, der Gegner wird gepackt und weggeschleudert, die Bälle werden entwendet sodass es eine wahre Freude ist. Nun zu den Bossleveln: Hier bekommt ihr es mit einem fetten Obermotz zu tun, den ihr in die Schranken weisen müsst. Diese Kämpfe verlangen immer eine bestimmte Strategie und sind wirklich nicht schlecht inszeniert. Bei dem Kampf mit Kling Klong beispielsweise, eine große mechanische Spinne, die Bodendruckwellen auslöst, denen ihr ausweichen müsst, damit ihr ihre Schwachstelle erreicht, verfolgt euch der Gegner über mehrere Etagen eines Fabrikgebäudes.

Kreativ sein

Doch Little Big Planet 2 wäre nicht Little Big Planet 2, wenn es keinen Level-Editor gäbe. Darin bastelt ihr eure ganz eigenen und individuellen Levels. Sämtliche Möglichkeiten, die die Entwickler hatten, stehen auch euch zur Verfügung und bei entsprechendem Zeitaufwand und einer guten Idee steht einem Meisterwerk nichts mehr im Wege. Im Level-Editor schaltet ihr permanent zwischen dem Kreativ-Modus und dem Spielen-Modus hin und her. Im ersteren platziert ihr eure Hindernisse und errichtet eure Welt, im zweiten Modus könnt ihr dann testen, ob alles so klappt, wie ihr es euch vorgstellt habt und dann eventuell nachbessern.

Damit ihr bei den unzähligen Möglichkeiten, die euch dabei zur Verfügung stehen nicht untergeht, gibt es auch dieses Mal mehrere Trainings-Einheiten. Diese erklären euch Schritt für Schritt, was euer Level unbedingt braucht, wie ihr Rennen platziert, wie ihr das Verhalten von Kreaturen bestimmt, wie ihr Gadgets platziert, wie ihr aus harmlosen Dingen (Stichwort: Sicherheits-Teddy) gefährliche Hindernisse macht, wie ihr eigene Fotos und Musik platziert und und und… Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Zur Freude aller Veteranen müsst ihr aber nicht erst alle Trainingseinheiten durchspielen, bevor ihr selbst etwas bauen könnt, sondern ihr könnt aus einer Liste das Training wählen, das ihr gerne absolvieren würdet. Wenn ihr also bei einem eurer Pläne nicht weiterkommt, könnt ihr euch helfen lassen. Eine sehr sinnvolle Neuerung, da vor allem Neueinsteiger erst einmal mit den vielen Funktionen überfordert sein werden.

Sobald ihr dann mit den Grundlagen vertraut seid, könnt ihr aus dem Vollen schöpfen: Jeden Gegenstand, den ihr im Hauptspiel aufsammelt, könnt ihr auch in euren eigenen Levels verwenden. Ihr könnt Spieler mit Punkte- und Preisblasen belohnen. Im Gegenzug dafür, prämieren sie eure Level mit Herzen und hinterlassen positive Kommentare. Ihr könnt auch mehrere eurer Level miteinander verketten, sodass Spieler gleich mehrere eurer Kreationen ausprobieren können. Aber übertreibt es nicht, nur die wenigsten halten es durch, 5 Levels von ein und demselben Schöpfer hintereinander zu spielen.

Teilen

Wenn es dann soweit ist und ihr euer erstes selbstgebautes Level erstellt habt, wird es Zeit, es mit anderen Spielern zu teilen und es zu veröffentlichen. Damit reiht es sich in die Massen an Community-Levels ein, die alle vollkommen einzigartig sind. Online könnt ihr dann mit anderen Spielern deren Levels erkunden, euch in den Story-Levels messen oder in Versus-Leveln gegeneinander antreten. Die Little Big Planet Community hat schon einige atemberaubende Meisterwerke hervorgebracht und auch Little Big Planet 2 wird dieses Ziel erreichen. In den Levels sammelt ihr dann Punkte und steigt so in den Ranglisten auf und hinterlasst so euren Namen in der Welt von Little Big Planet 2.

Doch nicht nur die Kreationen der Spieler könnt ihr online bewundern: Zum ersten Little Big Planet sind im Laufe der Zeit immer wieder DLCs veröffentlicht worden, die berühmte Vorbilder auf typische Sackboy-Art neu interpretieren. Aber auch viele Kostüme gab und gibt es zu kaufen: So gibt es beispielsweise Sackboys von berühmten Videospiel-Charakteren wie Kratos, Solid Snake, Nariko oder Sonic, außerdem noch Protagonisten aus der Filmwelt und Popkultur wie Captain Sack Sparrow oder Iron Sack. Und sicherlich wird auch die Online-Seite von Little Big Planet 2 wieder solch außergewöhnliche Levels und Kostüme hervorbringen. Doch gut Ding will eben Weile haben.

Sacktastisch!

Little Big Planet 2 ist in jeder Hinsicht ein besonderes Spiel: Die Optik und die Gestaltung der Sackfiguren ist hinreißend, es gibt viele Details und alles wirkt wie in einem Traum. Auch die Sound-Gestaltung ist gelungen, wenn ihr beispielsweise auf einmal von Beethovens berühmten Da-Da-Da-Dam…Da-Da-Da-Dam begleitet in einen Endgegner-Kampf geratet. Doch das, was Little Big Planet 2 so einzigartig macht, sind die abgedrehten Ideen, die in dem Spiel stecken. Die Charaktere sind schräg, aber dennoch haben sie ihren festen Platz in der Geschichte und die Gegner sind skurill, aber dennoch ernstzunehmend. Die völlig abgespaceten Gegenstände und die genialen Einfälle – so findet ihr beispielsweise in einem der späteren Level eine Spielhalle, in der ihr original Pong spielen könnt !!! – machen Little Big Planet 2 zu einem mehr als würdigen Nachfolger ohne jede Abnutzungserscheinung.

Dazu kommt natürlich noch die Tatsache, dass Little Big Planet neben Serien wie God of War und Tomb Raider über die wohl kultigsten Protagonisten überhaupt verfügt. Der Sackboy ist ein Charakter, den ihr nach eurem Willen gestalten könnt. Macht ihn zu einem Ninja, einem Sackosaurus Rex, einem Cowboy, einem Zirkusdirektor, einem mexikanischem Wrestler, einem Piraten, macht ihn zu allem, was ihr wollt. Little Big Planet 2 setzt eurer Kreativität keine Grenzen und gibt euch die Möglichkeit, eure Gedanken und Ideen zu verwirklichen und sie mit anderen Spielern zu teilen. Also los, werdet der nächste Quentin Sackantino!

Little Big Planet 2 ist in allen Bereichen ein würdiger Nachfolger des bereits grandiosen Vorgängers. Das Spiel strotzt nur so vor Kreativität und tollen Ideen und der Level-Editor fesselt wochenlang an die PS3. Wer Little Big Planet 2 noch nicht hat, sollte unbedingt zuschlagen, ihr verpasst sonst ein Spiel-Erlebnis, das seinesgleichen sucht. In einem Wort: Sacktastisch!

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