Für die dunklen Wintertage: Alien: Isolation im Test
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Zum Start unseres Specials gleich ein richtiges Schwergewicht: Alien: Isolation. Viel erhofft und tief enttäuscht – das war die Prämisse der letzten Videospielableger aus dem Alien-Universum. Für Creative Assembly stand so einiges auf dem Spiel. Die Anspannung der Entwickler war mindestens genauso hoch wie unsere beim Spielen. Prädikat „Besonders gut geeinigt für lange, dunkle Winternächte.“

Ich wurde belogen. Mir wurde gesagt, dass es Spaß machen wird. Das Spielen von Alien: Isolation sollte Spaß machen. Hat es aber nicht. Ich hatte Angst. Die meiste Zeit saß ich in irgendwelchen Schächten, Schränken oder habe mich unter irgendwelchen Betten verkrochen. Mehr als einmal spielte ich mit dem Gedanken ein Level abzubrechen, weil meine Nerven mir signalisiert haben „Es reicht“. Ich kann ehrlich behaupten, dass ich mich seit sehr langer Zeit das erste Mal wieder unwohl gefühlt habe beim Spielen. Viel mehr noch als das: Ich konnte vor existentieller Panik meinen Herzschlag spüren – etwas, das seit Jahren kein Spiel in mir ausgelöst hatte: pure Verzweiflung in meinem Wohnzimmer.

Zurück auf Null

Der Umgang mit dem Alien-Genre ist kein einfacher: Nicht nur, dass der letzte Versuch die Science-Fiction-IP in ein Spiel umzusetzen grandios gescheitert ist, sondern ist vor allem auch die Original-Trilogie für viele Kenner der Thematik eine Art heiliger Gral der Filmgeschichte. Goldsmith, Scott, Cameron und vor allem Giger haben aus der Summe ihrer Teile eine Kreatur geschafften, die durch Sublimität und Omnipotenz fasziniert und gleichzeitig einschüchtert.

AIien-Isolation-Wallpaper

Wenige Filmreihen umgeben so viele Kontroversen wie die Alien-Filme. Jeder Film für sich steht und stand zur damaligen Zeit für eine andere Art des Horrors. Der Horror gegenüber dem Unbekannten in Alien, der Horror gegenüber dem Unbezwingbaren in Aliens und der finale Horror gegenüber einem unüberwindbaren Feind im Inneren in Alien 3. Atmosphäre und das Erhabene spielten immer eine größere Rolle als etwaige Splatter- und Bluteffekte. Der Fakt, dass der Held der Reihe kein Mann ist, sondern eine Frau, trug damals wie heute nur zur Sonderbehandlung der Filmreihe bei.

8abc54f0ff5c483c973292dd6f088407Wie packt man also ein Thema an, dass so vielschichtig ist, so schwierig zu transportieren und als Spiel offensichtlich noch schwieriger umzusetzen ist? Ein Film ist eben kein Spiel. Dieser Tatsache musste sich auch das Team von Gearbox geschlagen geben. Ebenso standen nun die Jungs und Mädels von Creative Assembly vor einem Mammutprojekt, über dem allgegenwärtig das Damoklesschwert des Versagens schwebte. Zu jeder Zeit hätte sich die Fangemeinde entschließen können dem Projekt nach dem Colonial Marines-Debakel den Rücken zu kehren. Eine einzige versaute Vorschau hätte das Projekt in der Bedeutungslosigkeit verschwinden lassen können. Es hieß also ein letztes Mal hopp oder topp.

Motivation durch angst

Was Creative Assembly mit Alien: Isolation abliefern, geht weit über das hinaus, was man sich als Science-Fiction und Alien-Fan gewünscht hatte. Das Spiel ist relevant. Es hat eine Bedeutung. Sowohl die Präsentation als auch die Geschichte lassen euch zu keiner Zeit alleine. Angesiedelt zwischen Teil 1 und 2 der Filmreihe begebt ihr euch als Tochter von Ellen Ripley auf die Suche nach eurer Mutter. Mit der anlaufenden Suche des Flugschreibers der Nostromo und dem vielverheißenden Betretens der Raumstation Sevastopol beginnt für den Spieler eine Reise der konstanten Angst, Anspannung und Panik.

Zwar ist das Alien nicht der einzige Gegner, dem ihr im Verlauf des Spiels begegnet, jedoch ist es allgegenwärtig und unbezwingbar. Die absolut überzeugende KI trägt dazu bei, dass ihr keinen Gang, keinen Raum und generell kein Level zweimal gleich spielen könnt. Ein Gegner, der euch überall finden kann, überall hinkommt, euch nachläuft, euch hört und euch aus Verstecken herauszieht wenn es sein muss, kann euch an den Rand des Ertragbaren bringen. Es gibt keine toten Winkel. Manchmal wartet das Alien auch einfach nur auf euch, weil es weiß wo es hin muss. Der zuerst lebensrettende Bewegungssensor kann euch dabei öfter als einmal das Leben kosten.

Intelligenz als Gegner

Der Moment, in dem euch das Alien das erste Mal in einen Luftschacht folgt oder euch dort sogar begegnet, lässt einem das Herz in die Hose rutschen und geht für mich als einer der Gaming-Highlight-Momente 2014 in die Geschichte ein. Sounddesign und Grafik sind im gesamten Spiel so überzeugend und gleichzeitig herzlich retro gestaltet, dass hier schon nicht mehr von Inspiration gesprochen werden kann.

Alien Isolation Alien in frontOhne Abstriche zu machen spiegelt die Sevastopol Orte der Nostromo und der Kolonie aus Aliens wieder. Das Spiel sieht dabei auf der Xbox One so grandios gut aus, dass gelegentliche Ruckler nicht ins Gewicht fallen. Das Gefühl der ständigen Anspannung lässt diese technischen Mängel sowieso in den Hintergrund rücken. Das Spiel mit Licht und Schatten gleicht einem real gewordenen Alptraum. Man würde hier und da gerne erforschen, mehr Zeit mit der Umgebung verbringen aber meistens endet diese Absicht im Ladebildschirm und am letzten Speicherpunkt.

In Zusammenspiel mit den Soundeffekten, die eins zu eins aus den Filmen übernommen wurden, und dem Soundtrack, der hin und wieder von Jerry Goldsmith geborgt wurde, schafft Alien: Isolation etwas, dass man die letzten Jahre im Survival Horror vermisst hat: Man fühlt sich als Spieler nicht mehr sicher, verletzbar und handlungsunfähig. Oftmals war mein Spiel vorbei, weil ich aus Panik nicht rechtzeitig die richtigen Knöpfe oder Tasten gedrückt habe. Türen gingen nicht zeitig genug auf oder ich rannte in Panik einfach in die falsche Richtung.

Erzählung als Kern

Obwohl Isolation ein sehr umfassendes Spiel ist, gibt es keine Längen. Trotz des natürlich begrenzten Spielfeldes in Form der Raumstation gibt es ganze Passagen, in denen man dem Alien nicht begegnet und sich trotzdem keine Sicherheit einstellt. Gerade im zweiten Teil dreht sich die Geschichte in eine Richtung, die das Spiel vor seinem Wiederholungsdrang rettet. Der Schauplatz wandelt sich merklich und die Handlung wird noch dramatischer, weil anscheinend endgültig. alien_isolation floor

Die Heldin Amanda Ripley spielt sich die gesamte Dauer des Spiels nicht als übersterilisierte und unverwundbare Superfrau. Sie ist verletzlich, panisch und verzweifelt – vor allem ist sie auf der Suche nach ihrer Mutter. Glaubwürdigkeit geht auch hier wieder vor Effekthascherei. Als Spieler stehen euch nur die rudimentärsten Waffen zur Wahl, mit denen ihre jedoch nur geringen Schaden verursacht – das Alien bleibt trotzdem zu jeder Zeit unbesiegbar. Ablenkung und Verwirrung stehen im Vordergrund, Wegrennen ist euer Todfeind.

Was nach dem ersten Spieldurchlauf bleibt, ist ein Gefühl der Handlungsunfähigkeit und der Freude endlich die Credits über den Bildschirm flackern zu sehen. Alien: Isolation ist wichtig, weil es seine eigene Bedeutung im Alien Universum einnimmt und seine absolute Daseins-Berechtigung hart erarbeitet hat – mit jeder einzelnen Spielstunde. Von einem spielerischen Meisterwerk zu sprechen wäre wohl zu viel, von einem atmosphärischen hingegen nicht. Isolation weckt beim Spielen Urängste.

Alien: Isolation

von am 29.12.2014

Eine grandiose atmosphärische Wiederauferstehung der Reihe, die nur bedingt vorrauszusehen war. Spieltitel, denen man zur gleichen Zeit den Gruselfaktor selbstverständlich zugesprochen hat, können hier an jeder Ecke noch etwas dazu lernen. Horror in Reinform!

Über Sebastian Ossowski

Sebastian ist Chefredakteur bei krautgaming.de und als zukünftiger Lehrer für Englisch und Geschichte sucht er stets den Anspruch, das Niveau und den tieferen Sinn.
Meistens schlägt er dabei auf grandiose Art und Weise fehl.

Kommentare

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Bernhard 23. Juni 2016 um 15:38 23.06.2016 - 15:38

Das finde ich auch, ein sehr fesselndes Spiel, ich liebe es!

Christian Neumeier 4. Januar 2015 um 10:16 04.01.2015 - 10:16

Ein sehr geiles Game. Ich verstehe nicht weshalb das Game von einigen Kritikern schlecht geredet wird. Ich bin ganz der Meinung von „hurrigan“. Geiles Spiel!

hurrigan 3. Januar 2015 um 11:21 03.01.2015 - 11:21

Eins der besten Reviews die ich zu diesem Game gelesen habe.
Zu spät ? In Anbetracht dessen, daß die meisten Kritiken zum Erscheinungstag des Games eher verhalten waren, bestimmt. Dieses fantastische Spiel hätte weitaus bessere Resonanzen von seitens der sogenannten „Fachpresse“ erhalten müssen. Wenn man sich mal vor Augen führt mit welchen Mitteln die anderen Horrorgames zu Werke gehen müssen um konstante Spannung aufrecht zu erhalten. Unzählige Monster, wirre Mutationen, Waffen ohne Ende.
Alien Isolation braucht das alles nicht und ist ein Tritt in den Arsch für die unfähig gewordene Gamingwelt. Eine Lehrstunde in Spannung und Atmo.
Spieler die das Game frustriert abgebrochen haben, bezeichnen es als „zu schwer“ oder gar „doof“. Dabei ist es gerade wegen seiner Kompromisslosigkeit ein Meisterwerk und verschafft
der Marke Alien, im Sektor Spiele, endlich wieder respekt.
Ein würdiges Review für ein würdiges Game.

maurizio 26. September 2015 um 23:44 26.09.2015 - 23:44

das spiel „alien isolation“fehlen wichige effekte im den film sehr notwendig für das grusel atmosfere schade es hätte ein gute spiel werden,bin sehr entäuscht,das wichtigste effekt fehlt sehr seltsam,was haben sich dabei gedacht diese programmmiere haben geschlafen,besondere wenn alien zuschägt kein schleim ,kein grüsel geräusche,kein zeitlupe einfach kein ton nicht.das ist das wichtigste,die szene ist kurz und armlos einfach keine effekt,das sind sehr viele minus punkte.spiel kaufen..nein !!