Petition für einen weiblichen Hauptcharakter in Assassin’s Creed: Unity zählt bereits über 5000 Unterschriften
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Manchmal sind Gamer richtige Zicken. Kaum kündigt Ubisoft einen Next-Gen 4er-Coop Assassin’s Creed Titel an, formiert sich Widerstand. Nicht gegen das Setting der französischen Revolution, nicht gegen den im Trailer hochgehaltenen Gewaltgrad, nein, sondern gegen die fehlende weibliche Hauptdarstellerin. Meine flache Hand klatschte mehrfach gegen meine nackte Stirn.

Die Sexismus-Keule packt man in der Gaming-Szene sehr gerne hier und da mal aus. Sei es in Mass Effect, wo Charaktere zu enge Klamotten tragen, im kürzlich angekündigten Metal Gear Solid V, welches mit weiblichen Sexbomben daher kommt oder in der God of War – Reihe, wo Frauen ausschliesslich die devoten Rollen spielen oder gnadenlos nieder gemetzelt werden. Umso mehr Zeit, desto mehr Beispiele.

Fakt ist, dass Frauen in der Tat eine untergeordnete Rolle im Videospiel-Universum spielen: Gordon Freeman, Snake, Shepard, Drake und soweiter. Fakt ist aber auch, dass das bis heute keinen tatsächlich gestört hat. Electronic Arts und Bioware ließen den Spielern von Mass Effect 3 sogar die Option, ob ihr Shepard eine Frau oder ein Mann ist. Um genau zu sein, lassen euch etliche Rollenspiele die Wahl das Geschlecht des Protagonisten zu wählen. Die Gears of War – Reihe entwickelte sich von Teil 1 bis 3 sogar zu einem absolut gleichgestellten Geschlechterkampf, in dem Mann übrigens am Ende [Spoiler] gegen eine KönigIN kämpfte [Spoiler]. Wo liegt also jetzt das Problem?

Es wäre nicht so, als hätte es in der Geschichte von Assassin’s Creed nicht schon eine weibliche Protagonisten gegeben! Natürlich nur am Rand und natürlich nicht auf einer der großen Konsolen. Die Petition für die zwanghafte Integration eines weiblichen Hauptcharakters in die Assassin’s Creed Geschichte läuft auf vollen Touren und hat zum Zeitpunkt der Entstehung des Artikels mehr als 5500 Unterschriften. Geht’s noch? Versteht mich bitte nicht falsch, ich bin einer der ersten, der für gleiche Rechte, für Diversität in jede Richtung und für Achtung vor dem Gegenüber schreit – aber eine Petition?

Damit aber noch nicht genug. Die Petition mahnt auch an, dass ethnische Minderheiten nicht genug Beachtung finden. Nun ja, treiben wir es doch mal auf die Spitze: Ich bin für eine Petition, die dann nicht nur die ethnische Minderheit ins Spiel bringt, sondern auch mindestens einen Vertreter jeder größeren Religionsgemeinschaft ins Boot holt. Darüber hinaus wünsche ich mir, dass auch jede sexuelle Randgruppe ein Teil der Assassin’s Creed Geschichte wird. Bei 4 Hauptcharakteren sollte das nicht so schwer sein. Und um Gottes Willen vergesst mir die Rothaarigen nicht!

Ich sollte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass es hier um meine ganz persönliche Meinung geht und nicht um die der Redaktion.

Am Ende gilt wie immer: Don’t feed the trolls! Over and out.

Über Sebastian Ossowski

Sebastian ist Chefredakteur bei krautgaming.de und als zukünftiger Lehrer für Englisch und Geschichte sucht er stets den Anspruch, das Niveau und den tieferen Sinn.
Meistens schlägt er dabei auf grandiose Art und Weise fehl.

Kommentare

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traceon 8. Juli 2014 um 10:16 08.07.2014 - 10:16

Es bleibt selbstverständlich komplett den Autoren und Produzenten eines Spieles überlassen, welche Protagonisten sie einbauen. Ich finde es unglaublich anmaßend und komplett daneben, mit einer Petition auf künstlerische Freiheit Einfluß nehmen zu wollen. Niemand ist gezwungen, das Spiel zu kaufen und zu spielen – und die fehlende Toleranz der Unterstützer der Petition darf gerne in einen Nichtkauf münden. Hm, trotzdem werden wohl meherere Millionen Kopien von Assassin’s Creed Unitiy verkauft werden. Und die Petition hat ein Ziel von 7500 Unterstützern, nicht etwa 750000? Daher lächerliche Aktion, weil total irrelevant.

Freeport 18. Juni 2014 um 12:58 18.06.2014 - 12:58

Sorry, aber ich finde die Petition sehr gut – im Gegensatz zu diesem Artikel, der sehr deutlich zeigt, dass der Sinn und auch der Trend, den diese Petition verfolgt, am werten Autor wohl voll vorbeigegangen ist. Die aktiven Gamer (zu denen ich mich seit C64 Zeiten zähle) fordern hier Gleichberechtigung und bringen ihre Stimme mit Masse und Druck zu Gehör. Denn, nein, lange nicht alle Gamer wollen immer nur als weißes Muskel- und/oder Silikonpaket durch die virtuellen Welten eiern. Die Anzahl der weiblichen Gamer steigt täglich und sie fühlen sich (zu Recht) unterrepräsentiert. Der überspitzte Polemik dieses Artikels zeigt leider sehr deutlich, dass hier mal wieder nicht erkannt wurde, dass es hier nicht um irgendeine Minderheit, sondern um die Hälfte der Weltbevölkerung geht, die regelmäßig ignoriert und durch ihre Rollen in Videospielen in archaische und zum Teil (siehe God of War) schlichtweg entwürdigende Rollenbilder gepresst wird.

Wie hier so schön geschrieben wird: „Fakt ist, dass Frauen in der Tat eine untergeordnete Rolle im Videospiel-Universum spielen“. Die Petition zeigt deutlich, dass es viele Gamer gibt, die das aber nicht wollen und die bereit sind aktiv Einfluss auf diese Entwicklung zu nehmen.

Schade, dass das hier nicht erkannt wurde. Von einem Chefredakteur erwarte ich ehrlich gesagt ein etwas breiteres Sichtfeld, als dass eines pupertierenden 14 jährigen Gamers.

Sebastian Ossowski 18. Juni 2014 um 20:17 18.06.2014 - 20:17

Vielen Dank für dein Feedback, Freeport.

Da ich aber nicht weiß, wem ich hier gegenüberstehe, kann ich nur bedingt auf das eingehen, was du mir vorwirfst.

Der Trend und der Sinn der Petition ist an mir sicher nicht vorbei gegangen. Die Intention ist sicher der Wunsch nach Kommunikation mit den Entwicklern. Leider haben Petitionen (vor allem im Internet) mittlerweile den Geschmack von Massenware und erzeugen nur noch einen Bruchteil der Aufmerksamkeit, die sie verdienen. Der Aufschrei zu Beginn solch einer Debatte ist immer laut aber verliert über die Zeit (leider) immer mehr an Wirkung. Die Unterzeichner scheinen auch zu denken, dass es mit ihrer Unterschrift getan wäre. Aktuell zählt die Petition 6781 Unterschriften. Die Verkaufszahlen des letzten Assassin’s Creed lagen bei etwa 8 Millionen, Assassin’s Creed 3 bei 12. Selbst bei der angestrebten Zahl von 7500 Stimmen, befinden wir uns immer noch im Bereich von 0,0625% der angepeilten Zielgruppe. Rein marktwirtschaftlich für Ubisoft zu vernachlässigen, denn von deinen „vielen Gamern“ kann mathematisch gesehen absolut nicht die Rede sein. Vom PR-Standpunkt wiederrum muss reagiert werden, also wird gesagt, dass es von Entwicklerseite ein Mehraufwand wäre und man es sich momentan nicht vorstellen kann. Unterm Strich steht also eines: Eine Petition zeigt das Interesse am Dialog aber nicht wirklich das nötige Engagement, denn das müsste über eine kleine Petition weit hinaus gehen!

Du sprichst von einer unterrepräsentierten Hälfe der Weltbevölkerung – schön und gut. Wie du gelesen hast, verneine ich das nicht. Wie beurteilen wir das aber in Bezug auf Assassin’s Creed: Unity? Anhand der 2 kurzen Trailer, die wir gesehen haben? Dass Frauen in der französischen Revolution eine maßgebende Rolle gespielt haben, ist unbestritten, nur frage ich mich wie bei der Integration einer fiktiven Geschichte, um noch viel fiktiviere Charaktere, das wirklich ins Gewicht fällt? Handlung, Mission und andere Charaktere gehören zu den Details, die uns bisher einfach nicht bekannt sind. Ich be – und verurteile Spiele gerne erst, wenn sie in meiner Konsole laufen.

Würden wir hier über Duke Nukem Forever oder die älteren Tomb Raider Titel reden, könnte ich dir vorbehaltslos zustimmen, aber sprichwörtlich auszuflippen, weil Trailer nicht die Diversität zeigen, wie sie aktuell gewünscht wird, finde ich etwas grenzwertig.

Schade, dass das hier nicht erkannt wurde.

Put Put 18. Juni 2014 um 21:18 18.06.2014 - 21:18

Ich verstehe den Wunsch nach mehr Weiblichkeit in Spielen, aber AC ist da der falsche Ansatz. Besonders wenn man in der selben Petition die ethnische Herkunft kritisiert.
Assassins Creed Liberation ( ebenfalls für PS3 Pc und 360 erschienen) bietet einen weiblichen Hauptdarsteller. Spater bekommt sie eine große DLC Mission in Black Flag.
Ein anderer Umfangreicher DLC befasst sich 15 Jahre nach Black Flag und man spielt einen farbigen Assassinen (den ersten Maat aus Black Flag). AC 1 hat einen arabischen Protagonisten, AC 2 einen italienischen ebenfalls dunkelhäutig und AC 3 einen farbigen halb Indianer. Allesamt Heldenhaft dargestellt. Nur AC4 hat einen weißen Protagonisten.

Die Idee ist alles andere als falsch, aber Ubisoft bzw. Assassins Creed ist da das falsche Ziel. Sie waren bisher genau das Gegenteil von Sexistisch oder Rassistisch

Freeport 18. Juni 2014 um 22:31 18.06.2014 - 22:31

Tja, dann ist das wohl so… vielleicht solltest du ein wenig an deiner Polemik feilen, die wirkt hier an dieser Stelle (wenn ich das jetzt mal als Journalist und Autor so sagen darf), dem Punkt, den du hier in dem Kommentar deutlicher ausführst, nämlich eher abträglich.

Wäre es nicht sinnvoll sich zu fragen warum Tausende von Gamern dieser Petition folgen, anstatt zu versuchen, das Ganze ins lächerliche zu ziehen? Wäre hier nicht eher mal eine kleine Recherche zum Thema Frauen und Gaming und eine sachliche Auseinandersetzung mit dem Thema konstruktiver gewesen? Welche Alternative würdest du denn zu der Petiation vorschlagen? Wie sollen die Gamer denn bitte sonst an die Entwickler herankommen und ihrer Meinung Gewicht verleihen?

Vielleicht erwarte ich hier zuviel, aber ein klein wenig mehr Toleranz und journalistische Eloquenz wäre mir bei einem solchen Thema lieber gewesen, als ein paar flache Sprüche.

Daniel Machut 19. Juni 2014 um 00:54 19.06.2014 - 00:54

Zumindest macht das Spiel rein historisch betrachtet alles richtig. Schwarze waren zur Zeit der französischen Revolution immernoch im Sklavenstand und erst gerade in Frankreich kam es erst während der Revolution zu einem leichten Umbruch der Situation. Frauenrechtsbewegungen kamen tatsächlich erst ‚kurz‘ nach der Revolution in Gang. Damit ist das Spiel , direkt in Frankreich angesiedelt, historisch absolut korrekt. Das macht auch in gewisser Hinsicht die Petition hinfällig. Genau diese Fakten liefern jedoch Chancen im Storytelling und lassen gegenüber der Petition genügend Raum für Zynismus.

Freeport 19. Juni 2014 um 12:11 19.06.2014 - 12:11

Naja, historisch richtig ist hier mal sehr vorsichtig gesagt, immerhin geht es um eine geheime Assassinengilde, die es nie gegeben hat und die (zumindest in den vorigen Teilen) mit Waffen und Apparaturen hantiert, die völlig anachronistisch sind. Und da man wahrscheinlich auch wieder von jedem Landmark in einen kleinen Wagen mit Heu springen kann, hat sich das mit dem „korrekt“ doch eh erledigt. 😉

Daniel Machut 19. Juni 2014 um 14:10 19.06.2014 - 14:10

Es ging mir ja auch nur konkret um die Rahmenbedingungen der französischen Revolution und 1789 war das einfach Stand der Dinge.

milkman9391 16. Juni 2014 um 13:28 16.06.2014 - 13:28

wie wärs mit einer petition damit der hauptcharacter im nächsten AC eine lesbische schwarze veganerin mit tourettsyndrom und inidianischen vorfahren ist, die sich in ihrer freizeit gegen tierversuche einsetzt?