The Lego Movie Videogame – Immer nach Anleitung

The Lego Movie Videogame – Immer nach Anleitung

von am 06.06.2014 - 13:24
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Manchmal haben wir ja Glück: Da springt tatsächlich ein gutes Spiel aus einem Film heraus. Das trifft auf dem Papier auch auf The Lego Movie Videogame zu. Es sieht gut aus, es funktioniert und es macht Spaß. Damit müsste eigentlich alles super sein – wenn da nicht die erstklassige Vorlage wäre, an der sich das Spiel messen muss.

Im April kam er endlich in die deutschen Kinos, nachdem ihn der Rest der Welt schon zwei Monate vorher feiern durfte: Anstatt einen stumpfen Werbefilm zu zeigen, wie wir es z.B. von Transformers oder Battleship kennen, lieferte The Lego Movie eine Satire auf autoritäre Machtsysteme, übertriebene Fan-Liebe, Batman und letztendlich das eigene Produkt. Ein Beispiel ist der Filmsong “Everything is Awesome”, ein Popsong aus der Filmwelt. Alle lieben ihn, dabei dient er dem Industrie-Regime: Wer sich von ihm einreden lässt, dass alles super ist, bleibt nachts nicht wach, um über den Stand der Dinge nachzudenken. Man könnte fast meinen, der Song parodierte den Stand unserer Popmusik, die mit Nichtigkeiten von den eigentlichen Problemen ablenkt.

Im Spiel zum Film ist der Song ein Tanz-Minispiel, bei dem man die richtigen Knöpfe zum richtigen Zeitpunkt drückt.

legobike

Befolge die Anweisungen

Wer den Film nicht gesehen hat: Emmet ist ein völlig durchschnittlicher Einwohner von Bricksburg. Er arbeitet auf einer Baustelle, mag die Sitcom “Where are my Pants?”, Restaurantketten und Popmusik (siehe “Everything is Awesome”). Doch eines Tages nach der Arbeit stolpert er über den Stein des Widerstands – ein legendäres Stück Plastik, das die Welt retten soll. Prompt verwechselt die Widerstandskämpferin Wildstyle Emmet mit dem legendären “Special One” und erzählt ihm von den verschiedenen Lego-Reichen, die miteinander verbunden waren. Sie durften frei untereinander bauen – Planwagen zu Raumschiffen, Müllwagen zu Drachen und so weiter – bis Lord Business die Reiche voneinander trennte. Seitdem kämpfen die Master Builder gegen Lord Business, und Emmet scheint der zu sein, den sie in diesem Kampf brauchen – dabei ist er doch nur ein einfacher Bauarbeiter.

emmet the average

Wer schon einmal ein Spiel aus der Lego-Reihe von Entwickler Traveller’s Tale gespielt hat, hat auch The Lego Movie: The Game: The Brickening gespielt. In der Rolle von verschiedenen Figuren aus dem Film lauft ihr durch bunte Welten, kloppt Lego-Bauwerke und -Gegner auseinander und löst Rätsel, indem ihr vorgefertigte Bauwerke baut. Dabei sammelt ihr Lego-Steine, mit denen ihr weitere Figuren mit besonderen Fähigkeiten kaufen könnt. Das ist wichtig, denn bestimmte Bereiche sind nur mit bestimmten Fähigkeiten zugänglich: Wildstyle kann höher springen, Batman kann seinen Batarang und Enterhaken benutzen und Benny the Space Guy hackt sich in Computer ein.

benny. lord of the h4ck0rz

Und da liegt das Problem. Nicht, dass die Formel keinen Spaß machen würde – gerade vor ein paar Monaten habe ich ungefähr 45 Stunden in Lego Marvel Superheroes gesteckt. Die Traveller’s Tale-Formel existiert seit Lego Star Wars und ist seitdem nur besser geworden, wenn man die Jagd nach glitzernden Objekten mag – und in einer Welt, in der sogar Fantasy-Spiele anfangen, sozialkritische Themen auf den Tisch zu klatschen, kann ein Sammel-Marathon überhitzte Hirne wieder abkühlen.

Tu was ich sage

Im Fall von The Game to the Movie with dem darn Legos ist es jedoch eine vertane Chance. Anders als die Regisseure des Films setzt Traveller’s Tale auf die sichere Bank und passt die Formel nur gering an den Film an. Einige Figuren sind Master Builder; das heißt, sie können an vorgegebenen Stellen vorgegebene Objekte bauen. Andere Figuren dürfen an vorgegebenen Stellen vorgegebene Objekte nach Anleitung bauen, weil “Follow the instructions” ein Satz im Film war, den wir alle witzig fanden.

benny builds his stupid spaceship

Kurz: Der Film erzählt uns, dass jeder von uns etwas Besonderes tun kann und dass wir uns gegen jeden auflehnen sollten, der etwas anderes behauptet; und das Spiel befiehlt uns an den vorgeschriebenen Stellen das zu tun, was das Spiel von uns möchte. Man hätte mit alternativen Lösungswegen arbeiten können, da es im Lego-Film vor allem auch darum ging, dass wir alle Kreativität besitzen; doch letztendlich fügen wir uns im Spiel zum Film wieder der Diktatur des Spieldesigns. Raum für ein wenig Anarchie, Experimente oder Widerstand bleibt nicht.

Dazwischen erzählen Clips aus dem Film die Geschichte von The Lego Movie und erinnern uns immer wieder daran, dass wir etwas Besonderes schaffen können; aber bitte nicht in diesem Spiel, ruft uns wenige Sekunden das Gameplay zu. In diesem Spiel befolgen wir die Anleitung. Wo kommen wir denn sonst hin!

something weirgo

Du bist nichts besonderes

Und was den Titel dann völlig tötet, ist die Musik. Ob nun die Dauerschleife in den Hubs oder die Musik in den Missionen – wer schon das omnipräsente “Everything is Awesome” schwer erträgt (was mehr oder weniger der Sinn ist), wird seine Schwierigkeiten mit dem Soundtrack haben.

Am Ende ist es schade: We made a Movie with Legos in it and here’s a Game for that bringt nichts Neues. Ein gutes Spiel zu einem Film, Comic oder Buch macht das Ursprungsmaterial besser, ergänzt es oder ermöglicht es uns, etwas aus ihm selber zu erfahren (wie z.B. Being Batman). Nichts davon passiert in The Lego Movie: The Tie-In, und auch die letzte Chance vergibt er – Erwartungen zu zerschlagen, so wie es der Film tat. Damit bleibt ein typischer Traveller’s Tale-Titel, dem eins fehlt: der Charme anderer Lego-Spiele wie etwa Lego Marvel Superheroes oder Lego Lord of the Rings. Das reicht aber vielleicht, um die Wartezeit auf die DVD von The Lego Movie zu verkürzen.

The Lego Movie Videogame

von am 06.06.2014

Kein schlechtes Spiel, aber was ihr im Spiel tut, ist nicht das, was euch der Film sagen wollte; ihr spielt nach Anleitung, ihr braven Drohnen in der Kontrollmaschine von Traveller’s Tale Warner Brothers Lord Business.

Über Christoph Volbers

Christoph hat viel zu viele Töpfe am Kochen: Er ist der Kopf hinter dem Science Fiction-Metal-Projekt Xenogramm und schreibt an seinem eigenen Roman. Gleichzeitig studiert er Englisch und Geschichte im schönen Bremen (nicht lachen!). Da er jedoch nicht immer vor dem Bildschirm hocken kann, geht er arbeiten – und zwar in einer Einrichtung für Menschen mit Beeinträchtigungen. Wenn er sich davon erholen will, dann kocht er, oder er geht laufen, oder er sieht sich Filme und Serien an.

Oh, und offenbar schreibt er auch für krautgaming. Wie konnte ich das nur übersehen?

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