Retrospektive: Ist Assassin’s Creed 1 ein gutes Spiel?

Retrospektive: Ist Assassin’s Creed 1 ein gutes Spiel?

von am 11.12.2013 - 08:27
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Zwar ist Assassin’s Creed IV: Black Flags schon einige Wochen im Handel erhältlich, doch uns hält das nicht davon ab, einen Blick auf den Anfang der Serie zu werfen. Viel eher ist der neuste Serienableger Grund genug, um einen kritischen Blick auf das im Jahr 2007 veröffentlichte erste Assassin’s Creed zu werfen. Nach wie vor ist die Spielgemeinschaft sehr zwiegespalten, wenn es um eine konkrete Wertung für das Spiel geht. Taug Assassin’s Creed 1 also etwas, oder nicht?

Assassin’s Creed ist mittlerweile zu einer Serie der Marke FIFA verkommen. Jahr um Jahr wirft Ubisoft einen neuen Ableger auf den Markt, der stets mit rein marginalen Änderungen daherkommt. Zum Beispiel im Falle von Assassin’s Creed III und Assassin’s Creed IV verhält es sich sogar so, dass inhaltlich fast nicht verändert wurde. Das Setting jetzt außen vorgelassen. Ich selbst hatte zum Release des Serienerstlings zwar Notiz von diesem genommen, aber erst einige Zeit später selbst spielen können. Damals war ich noch nicht als sogennanter “Videospieljournalist” tätig, sondern versuchte mich an einer Ausbildung zu einem echten Beruf. Erst kürzlich gelangte ich jedoch in den Besitz der sogenannten Herritage Version, ein Bundle bestehend aus allen bis dato veröffentlichten Assassin’s-Creed-Spielen, abgesehen vom neuesten Ableger.

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Logischerweise, da dieser auch erst seit einigen Wochen im Handel erhältlich ist. Eigentlich stehe ich der Serie sehr skeptisch gegenüber, da sich in meinen Augen einfach zu wenig am Inhalt verändert. Doch im gleichen Atemzug muss ich gestehen, dass ich jemand bin, der sich jedes Jahr auf sein FIFA freut. Warum also nicht den Blick zurück auf den Ursprung des Goldesels von Ubisoft werfen? Warum nicht einfach mal die komplette Assassin’s-Creed-Reihe von vorne bis hinten durchspielen? Nun, warum eigentlich nicht? Und so hab ich die Disc des Serienerstlings in das Laufwerk meiner noch fröhlich vor sich hinsurrenden Xbox 360 geworfen und mich in die Abenteuer von Altair gestürzt. Was für ein Spaß.

Oder?

Zauberwort: Öde

Nun, Assassin’s Creed ist ein gutes Spiel. Doch von der heutigen Zeit ausgehend, besitzt der Titel einige große Mankos, die man in gegenwärtigen Games sehr kritisieren und von einem Fachblatt schlecht bewertet würden. Doch was genau sind das für Missstände? Allem voran, die Missionen. Diese verfolgen stets den gleichen Ablauf und erinnern entfernt an frühe Grinder-MMORPGs, in denen der Spieler stets mit dem gleichen Aufgabenverlauf betraut wird. Das gesamte Spiel läuft im Grunde nach Schema F ab. Reite hier hin, klettere diesen Turm hoch, belausche zwei Personen und töte anschließend einen bösen Typen. Beim ersten Mal super, beim zweiten Mal toll, doch schon beim dritten Mal nur noch öde. Man schleppt sich von Stadt zu Stadt, darauf hoffend, dass wenigstens das nächste Ziel in seinem Handlungsschema zumindest etwas Abwechslung besitzt oder in die Art des Anschlages variiert. Vom heutigen Standpunkt ausgehend, muss man einfach akzeptieren, dass der gesamte Spielinhalt zu repetitiv ist. Serienkritiker gehen sogar so weit und bezeichnen die Mechanik von Assassin’s Creed 1 als langweilig! Kann wenigstens die Geschichte den Karren aus dem Dreck ziehen?

Altair, der Assassine

In der Rolle des Assassinen Altair begibt sich der Spieler auf eine Reise, mehrere Personen über den Jordan zu schicken, um sich dadurch von begangenen Fehlern reinzuwaschen. Altair war bis vor Kurzem noch ein angesehenes Mitglied der Assassinen-Gilde, sorgte jedoch durch sein ungestümes Verhalten dafür, dass die Tempel-Ritter und deren Anführer auf den Orden der Meuchelmörder aufmerksam wurde. Zwar konnten die antiken Ahnen der heutigen Auftragskiller die darauf folgende Konfrontation für sich entscheiden, doch musste der Assassinen-Führer Altair aufgrund seiner Verfehlungen bestrafen. Statt ihn jedoch zu töten, wurde der Assassine degradiert und mit der Ermordung neun feindlich gesinnter Personen beauftragt.

AC1_2Im Grunde klingt das Ganze ja nicht schlecht. Fast schon wie das Skript für einen Action-Film. Doch leider scheitert die Umsetzung an der zu kurzsichtigen Erzählweise. Anstatt sich wirklich mit dem Plot zu befassen, ist der Spieler samt Spielfigur die meiste Zeit damit beschäftigt, sich den wiederholenden Aufgaben zu widmen. Nur vor dem Besuch einer Stadt und kurz nach dem Ermorden der Zielperson gibt es einige Storyhappen. Glücklicherweise sorgt die Geschichte um Desmond Miles, Abstergo Industries und den Animus für etwas zusätzliche Spannung. Tatsächlich bietet Assassin’s Creed nicht nur einen sonder zwei Handlungsstränge. Zum einen die Geschichte von Desmond Miles, einem entführten Assassinen und zum anderen die Abenteuer Altairs. Mithilfe des sogenannten Animus, einer Maschine, die beim Abrufen der im Erbgut gespeicherten Erinnerungen behilflich ist, möchten seine Entführer herausfinden, was die Assassinen der Antike den Templern entwendet haben. Doch schon eines vorneweg: Eine wirklich zufriedenstellende Antwort wurde erst mit Assassin’s Creed II geliefert. Und selbst in diesem Spiel wird noch lange nicht alles aufgeklärt.

Gutes Spiel oder schlechtes Spiel?

Bleibt also noch zu klären, ob Assassin’s Creed ein gutes Spiel ist. Aus heutiger Sicht kann das Spiel als so lala bezeichnet werde. Ein 70er, vielleicht niedriger 80er-Wert würden die meisten Fachblätter dem Spiel erteilen. Doch für damalige Verhältnisse war Assassin’s Creed ein grandioses Abenteuer. Eine geniale Weitsicht, fast tadellose Technik und tolle Animationen sorgten für zahlreiche Stunden Spielspaß vor dem Bildschirm. Wer sich bis dato noch nicht mit der Serie befasst haben sollte, kann dank der recht günstigen Herritage-Fassung nun einen Blick reinwerfen. Und ja, ich werde mich nun tatsächlich durch Assassin’s Creed 1 quälen.

 

Über Florian Merz

Florian ist Redakteur bei Krautgaming, durch seine fast schon fanatischen Liebe zu Videospielen blieb das aber nicht lange so. Mittlerweile ist er Autor bei Seiten und Magazinen wie games.ch, Gameswelt und PC Games, weitere Kerben im Brett sind zu erwarten.

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