Angespielt: Agatha Knife – “Glaube ist relativ!“

Angespielt: Agatha Knife – “Glaube ist relativ!“

von am 03.05.2018 - 20:10
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Wie der Zufall es so wollte, stieß ich im Xbox Store auf einen recht ungewöhnlichen Titel. Eigentlich gefiel mir zunächst nur das Artwork von Agatha Knife, doch dann las ich die Beschreibung und konnte nicht mehr widerstehen. Hier möchte ich euch berichten, was die ersten Momente des Spiels zu bieten hatten…

Glaubt doch was ihr wollt…

Die kleine Agatha könnte eigentlich ein ganz normales Mädchen sein, wenn da nicht ein paar kleine Details wären, die sie etwas sonderbar erscheinen lassen. Eigentlich ist sie eine begeisterte Tierfreundin, die gar nicht genug von ihren vierbeinigen Freunden bekommen kann. So wirklich ändert sich ihre enorme Zuneigung der Tierwelt gegenüber auch nicht. Nur wird diese Liebe grundsätzlich etwas schmackhafter ausgelebt, denn auch wenn die lieben Tierchen lebendig echt drollig sind, schmecken sie geschlachtet und zubereitet einfach zu gut. 

Als Tochter einer Metzgerin, weiß Agatha bereits sehr gut mit Klinge und Beil umzugehen. Deswegen hilft sie ihrer Mutter auch wo sie kann und wohnt sogar, als sei es selbstverständlich, direkt im Schlachthaus.

Doch um die Metzger-Stube ihrer Mutter steht es nicht gut und vor lauter Verzweiflung und Ratlosigkeit, begibt sich Agathas Mutter sogar schon in die Kirche, um für den Erhalt ihrer einzigen Einnahmequelle zu beten. Doch die Begegnung mit einem recht merkwürdigen Priester und seiner eigenwilligen Glaubensgemeinschaft, hinterlässt nichts weiter als Skepsis bei der kleinen Agatha.

Doch Agatha kommt dem Geheimnis um die neuartige, religiöse Weltanschauung, recht schnell auf die Spur. Hinter dem Priester steckt nämlich eigentlich ein Käsehändler, der mit Hilfe eines Beraters einen Businessplan erstellt hat. Und so wird vor dem Hintergrund eines göttlichen Herrschers der Zeit, fleißig Käse verkauft. Eigentlich eine Win-Win-Situation. Der Händler bekommt seinen Käse verkauft und seine treuen Anhänger schöpfen Hoffnung aus einer übernatürlichen Figur, an die sie glauben können.

Finde deinen Gott

Die Lösung für Agathas Problem ist also naheliegend – eine eigene Religion muss erschaffen werden. 

So beginnt die skurrile Reise des Mädchens, bei der sie auf wahnwitzige Figuren trifft und in klassischer ‘Point and Click’-Manier steuert ihr Agatha durch ihre 2D-Welt. Dabei wird im bisher erlebten Part aber weniger Wert auf genretypische, komplexe Rätsel gelegt, als auf das Erzählen der faszinierenden Geschichte. 

Das Artwork erinnert mich an einen gelungenen Mix aus The Dishwasher – Dead Samurai und Hello Kitty. Dabei bleibt aber auch die Einbindung stilechter Karikaturen und Easter Eggs nicht aus. Man kann sich auf witzige Begegnungen mit Marilyn Manson und auch Figuren aus Film und Fernsehen freuen. Selbst Shinji Ikari und sein Vater Gendo (bekannt aus dem Anime Neon Genesis Evangelion) erhalten bereits zu Beginn einen kurzweiligen Auftritt, der mich zuerst überrascht und letztlich lachend zurück ließ.

Eigentlich ist der ganze Titel ein gewaltiges Easter Egg. In fast jedem Szenenbild wurden passende Gegenstände und Anspielungen versteckt, die den Unterhaltungswert der textreichen Geschichte erheblich steigern.

Das soll aber keineswegs bedeuten, dass die Geschichte es grundsätzlich nötig gehabt hätte. 

Spielerische Satire

Agatha Knife ist in jeglicher Hinsicht kein Kinderspiel. Dafür schneidet es inhaltlich zu viele Themen an, die unser durchschnittliches Gesellschaftsbild gekonnt in Frage stellen. Man könnte fast behaupten, eine etwas weniger vulgäre South Park-Variante vorgesetzt bekommen zu haben. Doch selbst vor dem humoristischen Hintergrund, wurden die Themen intelligent verpackt.

Stellenweise sind die Dialoge und Gesprächsoptionen etwas lang geraten und fordern ordentlich Lesewilligkeit ab. Doch wer damit kein Problem hat, wird mit gut durchdachten Texten und Ideen belohnt, welche eure Lachmuskeln ordentlich in Bewegung bringen können und sogar zum Nachdenken anregen können. 

So findet ihr mit Aghata Knife ein schick designtes Game, mit kinderleichtem Gameplay und sehr hohem Unterhaltungswert. Außerdem punktet hier nicht zuletzt auch der Soundtrack, mit seinen infantilen Klängen und der dadurch unbedarften Atmosphäre. Hier entsteht ein geschickter Kontrast zu dem sehr erwachsenen Humor und erzeugt somit ein verrücktes, aber stimmiges Gesamtbild.

Das Game, von Entwicklerstudio Mango Protocol, ist seit dem 27.4.2018 im Xbox Store erhältlich und auch die Nintendo Switch wurde bedient. PC Spieler durften das Spiel via Steam bereits vor knapp einem Jahr ihrer Spielesammlung hinzufügen, wo ihr auch den indirekten Vorgänger MechaNika findet.

Ich kann für Agatha Knife jedenfalls eine klare Empfehlung aussprechen, freue mich selbst auf die kommende Spielzeit und vielleicht gründe ich danach ja sogar noch meine eigene Glaubensgemeinschaft. 😀

Über Daniel Machut

Ich bin Chefredakteur bei KRAUTGAMING ! Aufgewachsen in der Steinzeit des Gaming, bin ich noch heute unterwegs in den unterschiedlichsten Welten. Hyrule, Rapture, Eos, das viktorianische London, Sondereinsätze auf der ganzen Welt und selbst die dunklen Tiefen des Weltraums habe ich nicht gescheut. Hier sollt ihr mehr von meinen Reisen in den virtuellen Weiten erfahren...

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