Resident Evil 2 – Ein Schatten der Vergangenheit?!

Resident Evil 2 – Ein Schatten der Vergangenheit?!

von am 03.02.2019 - 17:47
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Resident Evil gehört zu den Top-Marken von Capcom. Ende März feiert die Serie bereits ihren 23. Geburtstag (wenn man nach dem japanischen Release des Erstlings geht). Am 25.1.2019 feierte der Fan-Liebling der Serie ein Comeback und wurde dafür komplett überarbeitet. Ob das Remake von RESIDENT EVIL 2 etwas taugt, oder ob wir es hier mit dreister Leichenfledderei zu tun haben, klären wir in den kommenden Absätzen… 

Ein schwerwiegendes Erbe

Resident Evil 2 galt über die letzten 2 Jahrzehnte als absoluter Fan-Liebling. Zumindest wenn man das (erstmals für den GameCube erschienene) Remake des ersten Teils außen vor lässt und rein die Original-Versionen betrachtet. Hauptcharakter Leon S. Kennedy wurde zum besonderen Symphatieträger der Serie und unabstreitbaren Kultstatus erlangte das Spiel durch die hiesige Indizierung natürlich auch. Der Reiz des „Verbotenen“, wenn man so will.

Die Reihe entwickelte sich stetig weiter und der sechste Teil war zwar ein guter Action-Kracher, sorgte in Sachen Horror aber nicht mal im Ansatz für Gänsehaut. Erst Teil 7 wagte wieder mehr den Schritt in klassische Gefilde, abgesehen von der Ego-Perspektive. Das Spiel hat Horror-Fans für die Reihe zurückgewinnen können.

Die Ankündigung des Resident Evil 2 Remakes ließ die Community jedoch vor Freude aufschreien, denn die Hoffnung auf eine definitive Rückkehr zu den Wurzeln der Saga war geweckt. Aber genauso auch die Gefahr, dass man das einstige Kultgame erneut zu sehr auf Action-Elemente einstellt und so dem ursprünglichen Charme nicht mehr gerecht wird.

Leon hat sich seinen ersten Tag beim RPD bestimmt angenehmer vorgestellt…

Kinoreifer Einstieg

Ich starte mit dem Erzählstrang um den Polizei-Frischling Leon. Er war schon im Original mein Liebling und so wollte ich es auch weiterhin halten. Natürlich werde ich mich nach dem ersten Durchgang auch noch mit Claire Redfield beschäftigen, aber das muss jetzt erstmal warten. Gänzlich vermissen muss ich sie ja erstmal nicht, denn zumindest die Eröffnungssequenz gebührt ja schließlich beiden Figuren.

Und die Einführung in die Neuinterpretation des zweiten Teils, lässt bereits jetzt einen genialen Eindruck von der Atmosphäre des Spiels erahnen. Wer sich zudem noch ein wenig an das Original erinnern kann, wird schon jetzt feststellen, dass nicht nur Optik, Steuerung und damit einhergehende Kameraoptiken erneuert wurden, sondern auch die Szene für sich genommen redesigned wurde.

Dunkelheit und Schatten sind eure ständigen Begleiter… und natürlich Untote.

 

Das Geschehen nimmt sich Zeit und baut gekonnt Stimmung auf. Hierfür hat man zeitgleich ein bestimmtes Stilmittel mehr in den Vordergrund gerückt, welches Teil 7 am meisten definierte und dadurch auch alternativ für die zu durchlaufenden Einzel-Szenenbilder zum Einsatz kam – beengte und verwinkelte Dunkelheit, durch die man sich bewegen muss!

In Kombination mit der beklemmenden Geräuschkulisse, entsteht schnell ein fieses Gefühl in der Magengrube, das so fesselnd ist, dass man sich vom Controller kaum wegbewegen kann. Knarzender Dielenboden, das stetige Plätschern von überlaufenden Sanitäranlagen und hier und da ein Knacken und Knistern im näheren Umfeld. Ein Gefühl der Unsicherheit ist ständig gegeben und in ein paar Momenten, so muss ich gestehen, habe auch ich den einen oder anderen Ausruf der Überraschung getätigt… Ehrlich?!… Ja… Ich habe geschrien wie ein kleines Mädchen…

Ob das ein Lächeln ist? Ganz frisch ist der Kollege jedenfalls nicht mehr…

Die Liebe zum Detail

Die Umgebungen des Spiels wurden dem Original mit Wiedererkennungswert nachmodeliert. So erkennen Resi-Veteranen durchaus gewohntes Terrain, treffen aber zeitgleich auf diverse Neuerungen. So wurden Rätsel angepasst und einige Abschnitte komplett umgestaltet, wie auch ergänzt. Die Kunst bestand darin, bekanntes so zu verpacken, dass man sich auch als Kenner der Vorlage heimisch fühlt und trotzdem genügend zu entdecken hat.

Natürlich ergänzt auch Claires Kampagne die Geschichte von Resident Evil 2 um ein paar interessante Facetten und eben auch inhaltliche Abschnitte. Vereinzelte Bereiche könnt ihr übrigens nur mit Claire oder Leon betreten. Das steigert das Bedürfnis nach einem erneuten Durchlauf enorm und ist sehr motivierend.

Claire Redfield begibt sich auf die Suche nach ihrem Bruder Chris. Dieser war bereits in die Geschehnisse des ersten Teils verwickelt und kämpfte sich mit Jill Valentine durch das geheimnisvolle Herrenhaus.

 

Stilistisch hat sich besonders die Vertonung des Spiels verändert. Ich meine jetzt nicht die gelungene Synchronisation, mit den zeitgemäßen und stimmungsvollen Dialogen, sondern besonders die begleitende Musik.

Im Original war die Musik noch schwerer im Vordergrund. Sie war zwar immer passend und traf den richtigen Ton, aber das Remake verlässt sich hier mehr darauf, gezielte Akzente zu setzen und lässt oftmals mehr die Kulisse wirken. Dadurch erscheint das Remake sogar noch einen Tick beklemmender und man bekommt in gewissen Situationen schon fast Angst vor seinen eigenen Schritten.

Eine handliche Geschichte

Die angepasste Steuerung erinnert sehr an Resident Evil 4. Von Grund auf weniger präzise und keine heldenhaften Kampfkunst-Moves. Dafür könnt ihr euch aber diesmal auch während der Waffennutzung bewegen, was ja eigentlich erst mit Resident Evil 6 eingeführt wurde.

Besonders passend ist die Menüführung bzw. das Inventar, denn hier hat man sich am übersichtlichen Design von Resident Evil 7 orientiert. Alles geht recht geschmeidig von der Hand und bremst den Spielfluss zu keiner Zeit aus, außer man möchte es so, um sich eine kurze Verschnaufpause zu gönnen.

Leon (wie auch Claire) findet sich so manches Mal in unappetitlichen Situationen wieder…

 

Speichervorgänge sind je nach Schwierigkeitsgrad anders definiert. Auf „Leicht“ habt ihr Checkpoints und Safe-Rooms, in denen die klassischen Schreibmaschinen zum Speichern stehen. Eine unbegrenzte Anzahl an Speicherungen ist möglich und weiterhin ist eine Zielhilfe eingestellt. Allerdings wird in diesem Schwierigkeitsgrad euer Endergebnis nicht ausgewertet.

Dies geschieht erst ab der Schwierigkeit „Normal“, bei welcher ihr keine Zielhilfe mehr habt und auch die untote Bedrohung merklich an Widerstandskraft gewinnt. Hier wird es besonders wichtig, dass ihr Munition spart und vielleicht sogar versucht dem direkten Kampf aus dem Weg zu gehen.

Genau diese Vorgehensweise bietet sich dann nämlich im Modus „Hart“ an, denn hier können Konfrontationen gerne auch mal schneller mit dem Ableben eurer Figur enden. Besonders der gefürchtete Tyrant, welcher euch ab einem gewissen Zeitpunkt stetig verfolgt und unabstreitbare Gesichtszüge von Dolph Lundgren aufweist, wird zu einer akuten Bedrohung. Außerdem braucht ihr die anzahlmäßig limitierten Farbbänder um speichern zu können, Checkpoints entfallen und jeder Schritt will überlegt sein.

So ist für jeden Spieler-Typ etwas Passendes dabei und insgesamt fühlt sich das Spiel so an, wie man sich den Fortlauf der Reihe nach Teil 4 vorgestellt, gewünscht und ersehnt hat.

Fazit

Resident Evil 2 

von am 03.02.2019

Der Start ins neue Jahr hätte für Capcom nicht besser ausfallen können. Resident Evil 2 steht weder im Schatten des Originals, noch muss es sich mit einem anderen Ablegern der Reihe messen. Stattdessen ist das Remake die Erfüllung eines jeden Fan-Traumes und der neue Maßstab der Serie! Selbst das legendäre Remake des ersten Teils, darf erstmals den Thron abtreten. Wir wollen Teil 3 direkt hinterher! Jetzt!

Grafik: 92

Sound: 95

Gameplay: 94

Spieldesign/Spielwelt: 92

Spielspaß/Atmosphäre: 97

 

Über Daniel Machut

Ich bin Chefredakteur bei KRAUTGAMING ! Aufgewachsen in der Steinzeit des Gaming, bin ich noch heute unterwegs in den unterschiedlichsten Welten. Hyrule, Rapture, Eos, das viktorianische London, Sondereinsätze auf der ganzen Welt und selbst die dunklen Tiefen des Weltraums habe ich nicht gescheut. Hier sollt ihr mehr von meinen Reisen in den virtuellen Weiten erfahren...

Kommentare

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Michael 6. Februar 2019 um 22:25 06.02.2019 - 22:25

Ich spiele seit Release von Teil 1und besitze jedes RE, dass auf Playstation erschienen ist. Ich spiele und sammele darüber hinaus auch die japanischen und us ntsc Teile auf der ps1.
Zu meinen Lieblingen zählen 1, dc, 2, 4, cv und 3.
Das Remake von Teil 1, welches eigentlich ein Reboot war bei den ganzen Änderungen, wird hier von manchen als das Nonplusultra herangezogen. Versteht mich nicht falsch, re1 remake bekäme von mir auch eine Traumnote, war es doch Teil 1 mit den damaligen aktuellen Möglichkeiten neu interpretiert!
Genau das gleiche wurde mit re2 Remake (mMn) auch wieder geschafft und hat seine hohe Bewertung wirklich verdient. Vielleicht schleichen sich bei mir 1-2 Fanpunkte mit ein, aber ich bin größtenteils noch kritischer als bei anderen Titeln gewesen und wurde NICHT enttäuscht.
Klar, nicht jeder Teilt die gleiche Meinung, trotzdem finde ich das Review sehr ordentlich.
Mit Headset ist die Geräuschkulisse wirklich unglaublich toll inszeniert, nur die deutsche Synchro habe ich gegen omu getauscht.
Das wars auch schon.
Mr X hat übrigens damals auch ziemlich genervt, also blieb man sich da treu.
LG

THomas 6. Februar 2019 um 15:06 06.02.2019 - 15:06

„Stilistisch hat sich besonders die Vertonung des Spiels verändert. Ich meine jetzt nicht die gelungene Synchronisation, mit den zeitgemäßen und stimmungsvollen Dialogen, sondern besonders die begleitende Musik.“

Ab da war ich raus, das kann nicht dein ernst sein. Die deutsche Synchro ist komplett durchwachsen, eher mangelhaft

Bernd 6. Februar 2019 um 10:41 06.02.2019 - 10:41

Ich muss Sebastian hier zustimmen. Das Spiel ist kein Resident Evil 2.
Es ist viel mehr ein neues Spiel, ein neuer Teil, was aber leider nicht so beworben wird und einen nachdenklich macht warum es dann den Namen trägt.
Ich kann das gut nachvollziehen, wenn man sich auf ein Resident Evil 2 freut, dann möchte man das auch haben und nicht etwas anderes, also kann ich die Enttäuschung schon nachvollziehen.

Mein Fazit zum Spiel ist kein schlechtes, außer das dieser Tyrant mich extrem genervt hat hehe
Es hat mit Sicherheit seine schätzungsweise 85 Prozent verdient, aber eben mehr auch nicht.
Im Vergleich zu anderen Bewertungen von großen Firmen wie Gamestar, netzwelt, 4players, gamepro, pcgames ist man meist und insgesamt bei 85 bis max 90 Prozent, selbst unicum hat nur 4 von 5 Sternen vergeben, von daher ist die oben genannten Bewertung doch eher von jemanden geschrieben der das Spiel scheinbar liebt aber nicht realistisch bewertet.

Daniel Machut 4. Februar 2019 um 15:09 04.02.2019 - 15:09

Tatsächlich bin ich ein Fan der Resident Evil Serie. Das kann ich nicht leugnen. Aber nicht im übertriebenen Maß und auch längst nicht von allen Ablegern. Mein Favorit war bislang immer das Remake von Teil 1. Dicht gefolgt von RESIDENT EVIL 0.

Die allgemeine Resonanz auf Resident Evil 2 (2019) trifft tatsächlich einen ähnlichen und auch verdienten Ton.

Seit Resident Evil 4 haben sich die Fans gewünscht, dass sich das Gameplay und die Inszenierung der Serie in eben diese Richtung bewegt. Tatsächlich musste aber erst Dead Space kommen und zeigen, wie es wirklich funktionieren kann.

Resident Evil 4 war ein gewaltiger Sprung nach vorne und zeitgleich auch der erste Sargnagel, da der Erfolg (wie man spätestens mit Resident Evil 5 und 6 gemerkt hat) fehlinterpretiert wurde. Deswegen würde die Serie über diese beiden Episoden auch entsprechend fokussierter auf die Action, was selbst mir als Fan absolut sauer aufgestoßen ist und zeitgleich dafür sorgte, dass ich Resident Evil 6 nie wirklich gut fand. Erst Teil 7 hat wieder etwas klassisches Flair aufleben lassen.

Resident Evil 2 hingegen nimmt sich Zeit und beschränkt sich gewissermaßen auf die seit 2005 gewünschten Basics, aber eben im zeitgemäßen Stil. Es setzt die vorhandenen Mittel gezielt ein und punktet mit einer einnehmenden Atmosphäre.

Anhand einer Demo auch ein komplettes Spiel zu beurteilen, halte ich doch für gewagt. Demos gelten seit jeher als zweischneidiges Schwert. Die komplette Farbpalette eines Spiels in ein paar Minuten oder 1-2 Stunden zu packen, ist nahezu unmöglich. Deswegen gibt es heutzutage auch immer weniger Demos zu den meisten Spielen.

Ich betrachte die Reihe allgemein schon kritisch, aber Teil 2 ist ein lang ersehnter Volltreffer.

Sebastian 4. Februar 2019 um 11:44 04.02.2019 - 11:44

Völlig übertrieben trifft es!
Hier schreibt eindeutig ein Fanboy 😀
Das Spiel hat als ein Teil 8 meiner Meinung nach 82 Prozent verdient, als Teil 2 nicht mal 20!! -.-
Das ist kein Remake mehr, das hat einfach bis auf ein paar Erinnerungen NICHTS mit Resi 2 zu tun :'(
Dieses Spiel hat dem besten Teil der Serie einfach alles genommen was er hatte, was das Spiel ausgemacht hat – Ob Gameplay, Ausrichtung, Raum zu Raum, Steuerung, Musik, Sounds und dazu noch alles so dunkel das man kaum was erkennen kann – Es ist absolut kein Resi 2 mehr und in meinen Augen wurde das Spiel kaputt gemacht! :/
Es ist einfach nur enttäuschend, macht einen traurig und ist mehr als unwürdig sowie schade 🙁

Nach dem tollen Teil 1 HD, hatte man sich unglaublich auf Teil 2 gefreut, aber nach spielen der Demo war klar, die Vorbestellung wird direkt storniert…

Bert 3. Februar 2019 um 17:58 03.02.2019 - 17:58

Ich habs auch sehr sehr gerne gespielt, aber 94 finde ich dann doch ziemlich übertrieben, weil es zwar in allen Bereichen echt gut ist, aber in keinem wirklich Maßstäbe setzt.