Sea of thieves – Die Reise ins Ich

Sea of thieves – Die Reise ins Ich

von am 03.04.2018 - 20:49
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Sea of thieves hat bereits einen langen Weg hinter sich. Den ersten Trailer durften wir bereits 2015, zum Zeitpunkt der E3 begutachten, während kurz zuvor die Rare Replay Collection angekündigt wurde. Am 20.3.18 erschien der Titel nun endlich und, mit freundlicher Unterstützung von Microsoft, durften wir die “Vollversion“ erneut anpacken und uns der stürmischen See stellen…

Hinweis: Gespielt wurde auf Xbox One X. Dies ist zudem kein typisches Review, sondern ein thematischer Beitrag. Deswegen gehen wir diesmal auch nicht auf alle technischen Details ein.

Admiral Benbow und der alte Bill Bones

Ich durfte Sea of thieves schon eine ganze Weile begleiten. Nicht nur, dass ich interessierter Zuschauer des YouTube-Kanals von Sea of thieves und Rare war. Auch auf der Gamescom 2017 durfte ich Hand anlegen, dann die Alpha testen und an der kompletten Beta-Phase des Spiels (von Closed- bis Open-Beta) teilnehmen. Vom ersten Trailer, aus dem Jahr 2015, war ich bereits begeistert und dann  richtig im Fieber, als Rare ihre Replay Collection von der Leine ließen. Hier wurden Erinnerungen wach und die Erwartungen an das Jetzt mächtig in die Höhe getrieben.

Und während viele andere Vorfreudige sich eine Version von ‚Fluch der Karibik‘ erträumten (was bei mir zu einem gewissen Anteil auch dazu gehörte), sah ich mich aber auch auf abenteuerlichen Reisen im Stil der Romane von Robert Louis Stevenson und Jack London. Bei meinem ersten Aufenthalt in der Taverne, fehlte vor meinem geistigen Auge nur noch der alte Seebär Bill Bones, der nach Rum stank und voll finsterer Erwartung im Wirtshaus ‚Admiral Benbow‘ einzog um die wahnwitzigsten Geschichten zu erzählen und immer wieder den eingängigen Text anstimmte, der mir schon als Junge nicht mehr aus dem Kopf ging:

“15 Mann auf des toten Mannes Kiste – Joho ho! – Und ’ne Buddel voll Rum!“

Zwar kam William ‚Bill‘ Bones nicht zur Tür herein und auch das drohende Geräusch von John Silvers Holzbein polterte nicht über den Boden, aber der virtuelle Grog schien uns gut die Kehle hinabzugleiten. So gut, dass auch wir in taumelnder Euphorie die Musikinstrumente auspackten und wurde der Klang unserer Instrumente auch von Krug zu Krug schiefer… wir feierten weiter! Es sollte der Einstieg in die abendlichen Abenteuer werden, die unsere ganz eigenen Geschichten erzählen.

Der alte Mann und das Meer

So zog ich entweder allein, aber überwiegend mit Kameraden los und setzte die Segel zu neuen Ufern. Das Wasser war ein Traum und nicht nur Wind und Wetter machten einen erheblichen Unterschied in der Beherrschung des Schiffes und dem Vorgehen bei Erkundung der Insellandschaften. 

Auch der Tag/Nacht-Wechsel sorgte immer wieder für ein Umdenken. Allein ging ich gerne anderen Schiffen aus dem Weg, löschte die Schiffslaternen, um geschmeidig, und möglichst unbemerkt, durch das Dunkel zu gleiten. Doch die Welt von Sea of thieves bietet noch weitere Tücken, als die bloße Bedrohung durch räuberische Mitspieler. Im Wasser kann man schnell zum Gejagten werden, wenn ein Hai seine Zähne zeigt und den Seereisenden  zur Beute erklärt. Natürlich sollte auch ich nicht verschont bleiben, doch kampflos will ich der Kreatur nicht erliegen und kann mich mit dem Säbel aus seinen Fängen befreien. Der zuvor gefundene Schatz, den ich mühsam an Bord meines Schiffes bringen wollte, war nicht mehr auffindbar. Die Dunkelheit der nächtlichen See hatte ihre garstigen Finger ausgestreckt und die Truhe mit sich gerissen. Zumindest bin ich mit dem Leben davon gekommen.

Die Flucht hinterließ trotzdem ihre Spuren und trotz einseitiger Ernährung an Bord, wäre ich nun froh gewesen, eine sonnengereifte Banane mein Eigen nennen zu können. Kraftlos schleppte ich mich zurück an Bord und musste nicht lange warten, um der unberechenbarsten Gefahr auf dem Meer in die kompromisslosen Augen zu blicken.

Ein Sturm zog auf und Blitze schlugen auf Deck ein. Und als hätte der Teufel der See persönlich seinen Groll gegen mich bekundet, sollte ein heller Lichtschlag mir die letzte Lebenskraft rauben.

Solltet ihr doch mal das Zeitliche segnen, führt euer Weg euch auf das Totenschiff. Hier müsst ihr ein paar Sekunden ausharren, bevor ihr zurück zu den Lebenden könnt.

 

Neuer Tag, neues Glück

Spielte mir der Klabautermann auf meinen letzten Fahrten noch Streiche, schien mir das Glück auf einer meinen nächsten Reisen wohlgesonnener. An Bord unseres Dreimasters ,mit unserem Dominic und der guten Mara von GamingNerd, suchten wir Schätze, versenkten einen Einmaster und erledigten ein paar Aufträge für die Handelsflotte. Nach den Aufträgen gaben wir uns traditionell dem Grog hin und kamen mit benebeltem Kopf kurzerhand noch auf die Idee, unsere Schiffskameradin kurzzeitig einzukerkern. Spaß hatten wir allemal.

Das große Abenteuer folgte nur wenige Tage später. Um 1 Uhr in der Nacht, gesellten sich die Krautgamer Mike, Dominic und meine Person zusammen und machten uns auf ein fünfstündiges Abenteuer, bei dem wir unseren bislang größten Beutezug einfahren konnten.

Ganz unproblematisch verlief das Ganze allerdings nicht.

Die ersten Fahrten liefen recht normal ab und wir gingen keine größeren Gefahren ein. Irgendwann jedoch entdeckt ich eine kleine Schaluppe, die an einem Außenposten geankert hatte. Nach einer kurzen Vorwarnung an meine Schiffskameraden, wendete ich das Schiff und nahm Kurs auf die Insel. In voller Vorfreude auf den nahenden Raubzug merkte ich einen Moment zu spät, was sich gerade unterhalb unseres Schiffes abspielte, denn plötzlich verdunkelte sich das Wasser und gewaltige Tentakeln stiegen aus dem Nass hervor. 

Ein Kraken packte sich unser Schiff und schlagartig wurden wir von den Jägern zu den Gejagten!

Wir fanden uns in einem überraschenden Überlebenskampf wieder und feuerten aus allen Rohren auf die Arme der Bestie. Auch unsere Flinten mussten herhalten, als die Kanonenkugeln knapp wurden. 

Es war ein nervenzerfetzendes Rennen gegen die Zeit, denn mit jedem weiteren Angriff des Kraken, liefen wir Gefahr versenkt zu werden. Es galt schnell zu reagieren, um zeitgleich das Schiff zu reparieren und trotzdem nicht an an Feuerkraft zu verlieren. Ich konnte nur mutmaßen, ob der Führer der Schaluppe, das gefährliche Treiben aus der Ferne begutachtet hatte.

Dennoch konnten wir uns mit gemeinsamer Kraft befreien und auch wenn wir unser ursprüngliches Ziel letztlich aus den Augen verloren hatten, waren wir erleichtert und stolz, unsere Old Lady vor dem Untergang bewahrt zu haben. 

Genau genommen, fühlten wir uns nun noch mehr angespornt, uns direkt der nächsten Herausforderung zu stellen.

Die Seewölfe

Nach einer kurzen, aber verdienten Rast, folgten wir dem Ruf des Todes. Ein gewaltiges Omen am Himmel, deutete unser nächstes Ziel an.

Wir waren hungrig auf das kommende Abenteuer und unserer Angst zum Trotz, fletschten wir die Zähne, wie ein Wolfsrudel, dass sich erwartungsvoll an seine Beute pirschte, bevor es die Zähne in sein Opfer graben würde. So setzen wir die Segel in den Wind und folgten unserem nahenden Schicksal.

Wir gelangten an eine Inselfestung, die der Tod persönlich bewohnte. Heerscharen von verfluchten Skeletten eröffneten das Feuer auf unser Schiff, noch während wir einen günstigen Platz zum Anlegen suchten, der unsere Galleone vor den donnernden Kanonenkugeln zu schützen vermochte.

Als wir es nach einigen Inselumrundungen letztlich doch schafften, die ersten Geschütze zu entmannen, fassten wir Fuß auf der Insel. Doch hier ging der Kampf erst richtig los. In Wellen trafen wir auf fiese, knochige Zeitgenossen, die mit den unterschiedlichsten Resistenzen ausgestattet waren und somit auch unser Zusammenspiel als Team auf die Probe gestellt wurde. So gab es beispielsweise Skelette, die bei Dunkelheit nahezu unverwundbar schienen. Erst der Lichtschein eines Feuers oder einer Laterne, ließ uns siegreich gegen die verfluchte Armee zurück. So kämpften wir uns mutig zum untoten Kapitän vor und schickten diese dämonische Ausgeburt zurück in die Hölle, aus der sie gekommen war. 

Zum Lohn ergatterten wir einen Schlüssel, der in eine Schatzkammer führte, deren Inhalt auch uns nochmal zum Staunen brachte. Stolz brachten wir unsere Reise zu einem wohlverdienten Ende, doch unser Hunger nach Gold war längst nicht gestillt…

 

Die Kammer des Kapitäns ist prall gefüllt, mit den Schätzen des letzten Raid. Mystische Schädel, Schatztruhen und goldene Kelche. Der harte Kampf hat sich gelohnt!

Die Würfel sind gefallen / Das Fazit

Der folgende Abschnitt ist beabsichtigt zynisch überspitzt. Natürlich ist unsere Wahrnehmung nicht die einzig wahre. Dafür unterscheiden sich die Geschmäcker grundsätzlich zu stark. Trotzdem habe ich versucht den imaginären Dialog reichhaltig zu gestalten und eine andere Perspektive auf das Spiel abzuliefern, mit einer Argumentation auf Basis von dem, was das Spiel sein will. Viel Spaß! 😉

Sea of thieves ist für mich eines der spannendsten Spiele des Jahres. 

Der imaginäre Motzbär (iMo): “Aber… aber… da fehlt doch ne Kampagne…“

Ernsthaft? Hast du dich je im Vorfeld mit dem Spiel beschäftigt, wenn du solche Statements lieferst? 

Natürlich hat Sea of thieves keine Kampagne. Ihr sollt euer eigenes Abenteuer schaffen. Ihr sollt eure eigene Motivation finden. Ihr sollt in diese fantastische Welt auch einen Teil eurer eigenen Phantasie einbringen.

Und wer es nicht glaubt, kann sich auch gerne in unserem Gamescom 2017-Artikel überzeugen lassen. Das ganze spielerische Konzept und auch die Weiterentwicklung der Spielwelt, wurden nie anders kommuniziert.

Gegenfrage: Warum spielt man dann eigentlich Games wie PUBG oder Fortnite – Battle Royale ?! Die Titel sind wahnsinnig erfolgreich und beliebt. Sie bieten keine Kampagne, keine Rätsel, kein besonderes Skill- bzw. Belohnungssystem und ihr rennt immer auf den selben Maps rum (Ich persönlich bin übrigens auch ein gewaltiger PUBG-Fan!). Ähnliches gilt auch für viele andere beliebte Spiele und Spiel-Genre und ich könnte euch jetzt mit erschlagenden Beispielen ertränken. Ich denke allerdings, dass die meisten Leute selbst genügend Beispiele finden werden. 😉

iMo: “Spielerisch hast du doch aber schon alles in kürzester Zeit erlebt. Glänzt ja jetzt nicht überschwenglich mit Neuerungen zur Beta.“

Ja. Das mag sogar bedingt stimmen. Aber bis auf die unterschiedlichen Auftraggeber-Fraktionen, die ganzen Anpassungsmöglichkeiten für Charakter und Schiff, den Raid, den Kraken, die zusätzlich entdeckbaren Missionen und Hinweise auf Quests in Dialogoptionen, hat sich wohl wirklich nicht so viel getan. (An dieser Stelle möchte ich betonen, dass ich gerade ein Sarkasmus-Schild in der Hand halte!)

Die Mechaniken des Spiels, sind einfach zu lernen, sind aber bei genauerem und langfristigen Hinsehen so ausgerichtet, dass sie nicht nur die Zugänglichkeit erleichtern, sondern zeitgleich für ein gewisses Balancing sorgen, was sich besonders in Kampfsituationen bemerkbar macht.

iMo: “Hab ich dich. Im Kampf zwischen 2 kompletten Crews mag das ja stimmen, aber ich kann ja auch alleine segeln. Da bin ich doch chancenlos!“

Warte mal… das muss ich verdauen… UM DIREKT IN SCHALLENDES GELÄCHTER ZU VERFALLEN! 

Sag mal was erwartest du?! Natürlich bist du im Alleingang unterlegen. Deswegen solltest du auch unbedingt die Strategie ändern und vielleicht nicht bei jeder Gelegenheit versuchen, den Rambo zu spielen. Du bist nicht bei Call of Duty!

Aber auch die defensive Spielweise kann ihren Reiz haben, denn auch mir ist es bereits gelungen, einen Schatz von einem Dreimaster zu klauen, während die Crew gerade auf einer Insel unterwegs war. Ich hätte zu gerne ihre ärgerlichen Gesichter gesehen, als sie bei  ihrer Rückkehr an Bord feststellen durften, dass sie um ihr Hab und Gut erleichtert wurden.

Doch auch die freundliche Tour kann eine Option sein. So habe ich bei einer Solo-Tour, den vermeintlichen Gegnern erstmal zugewunken. Ich wollte signalisieren, dass ich kein Interesse daran hatte, mich in einen Kampf zu stürzen und sie ließen mich tatsächlich in Ruhe meine Schatzsuche fortsetzen. Trotzdem blieb ich gerissen genug, sie nicht in Verführung zu bringen, mir den entdeckten Fundort (der mit einem Rätsel verknüpft war) streitig zu machen und führte sie in die Irre, bis sie ihr Interesse verloren hatten und absegelten.

iMo: “Und die Langzeitmotivation?! Also ich bin da schon wahnsinnig skeptisch!“

Die Langzeitmotivation schafft ihr euch selber. Setzt euch Ziele! Werdet Schatzjäger, Plünderer, Piratenjäger und lernt vielleicht sogar neue Freunde kennen… lasst eurer Fantasie freien Lauf. Ihr schafft euer Abenteuer und da Rare ebenfalls noch nicht am Ende der eigenen Reise stehen, kann man noch auf ordentlich Nachschub gespannt sein, der unser aller Spielerlebnis weiter auf den Kopf stellen wird. Das passiert aktuell sogar ohne weitere Kosten. Rare haben bislang komplett Wort gehalten und wir freuen uns auf die kommenden Monate auf hoher See, in denen uns Rare ebenfalls versprochen haben, die Welt weiter auszubauen.

Die Krautgamer waren sich selten so einig. Sea of thieves ist DER Anwärter auf den Titel ‚Spiel des Jahres 2018‘. Hier gilt es für Rare nun ebenfalls ihr Versprechen zu halten und Content nachzuliefern, denn auch wenn wir bereits sehr viel Spaß haben, bietet die Spielwelt noch viele Möglichkeiten, die wir uns bereits in unserer Phantasie ausmalen (Unser Mike will einen Papagei! 😂). Außerdem verzichten wir aktuell auf eine Punktwertung, weil wir Rare beim Wort nehmen wollen und das Thema Langzeitmotivation auch auf lange Sicht testen möchten, da nur so eine faire Beurteilung ihres fortlaufenden Entwicklungsprozesses möglich ist. In diesem Zug werden wir dann auch alle technischen Details nochmal ins Auge fassen.
  

Über Daniel Machut

Ich bin Chefredakteur bei KRAUTGAMING ! Aufgewachsen in der Steinzeit des Gaming, bin ich noch heute unterwegs in den unterschiedlichsten Welten. Hyrule, Rapture, Eos, das viktorianische London, Sondereinsätze auf der ganzen Welt und selbst die dunklen Tiefen des Weltraums habe ich nicht gescheut. Hier sollt ihr mehr von meinen Reisen in den virtuellen Weiten erfahren...

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