Star Wars: Battlefront – Gedanken zur Beta

Star Wars: Battlefront – Gedanken zur Beta

von am 11.10.2015 - 08:00
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Star Wars ist doof – abgesehen von drei tollen Filmen, die zwischen den Jahren 1977 und 1983 in die Kinos kamen. Obwohl ich gerne X-Wing Alliance oder Rogue Squadron gespielt habe, hat Star Wars seinen Biss verloren: Der Independent-Rebell, mit dem George Lucas gegen das verstockte Hollywood-System ins Feld zog, ist heute selber ein träger, verstockter Imperator. Daran wird die neue Episode nichts ändern, die in zwei Monaten in die Kinos kommt, und daran wird auch Battlefront nichts ändern, aber immerhin macht’s mir schon in der Beta-Version gewaltig Spaß.

Denn: Lang lebe Star Wars! Als ich in mein erstes Gefecht auf Sullust starte, da staune ich nicht schlecht, was DICE aus dem kleinen Kartoffelrechner von Sony herausholt (zur Zeit habe ich keinen Gaming-PC, darum muss die PS4-Version herhalten). Vielleicht liegt es am Licht, vielleicht auch an den superechten Felsen, die ich am Liebsten einmal anfassen möchte, aber mein Sturmtruppler und/oder Rebellenkämpfer stirbt ab und zu nur deshalb, weil ich staunend in der Landschaft stehe. Manchmal muss das Spiel zwar ein paar Texturen nachladen, aber immerhin läuft das Ganze flüssig, und auch mein hinkendes WG-Netzwerk verarbeitet die Datenmenge beim Spielen ohne große Probleme.

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Anmerkung: Da Christoph zu faul ist, mit seiner PS4 Screenshots zu machen und/oder nicht versteht, wie das geht, gibt’s hier offizielle Bilder von EA.

Dann geht’s auf den berühmten Eisplaneten Hoth aus The Empire Strikes Back. Hier folge ich den Spuren anderer Rebellen-Soldaten im Schnee. Oder denen der Imperialen, je nachdem – auf jeder der beiden Seiten heißt es: Zielen und Schießen. Oder einfach nur Schießen und hoffen, dass ich irgendetwas treffe. Obwohl ich selten gegen andere Spieler Ego-Shooter spiele, halte ich mich recht gut und lande am Ende irgendwo im Mittelfeld, und manchmal gelingt es mir sogar, mehrere Abschüsse hintereinander zu verzeichnen. Und als ich auf die Uhr sehe, kann ich kaum glauben, dass schon wieder eineinhalb Stunden vergangen sind.

In anderen Worten: Ich habe mehr Spaß an der Battlefront, als ich es eigentlich erwartet habe. Ich mag es, dass ich keine Munition verwalten muss, und ich mag es, dass ich nicht im Unreal Tournament-Modus über das Schlachtfeld ballern kann, sondern tatsächlich etwas vorsichtiger sein muss. Dazu schwirren X-Wings und Tie Fighter über den Himmel, und aus den Lautsprechern jagen mir ständig die authentischen Blaster- und Maschinensounds entgegen, untermalt von ein paar Schnipseln Filmmusik. Ich kann Tie Fighter und sogar meine geliebten Tie Interceptor-Jäger fliegen, und auf den Seiten der Rebellen ist der flinke A-Wing dabei, den ich gerne in X-Wing Alliance geflogen bin. Es gibt sogar eine Cockpit-Ansicht! Danke, DICE!

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Fanbrille runter, Pedantenbrille ‚rauf

Leider ist nicht alles so klar wie der blaue Himmel über den Schneebergen: Denn obwohl alles wie Star Wars aussieht und wie Star Wars klingt, kann ich mir den Spielmodus “Walker Assault” nicht wirklich erklären. Hier greifen zwei der riesigen imperialen Kampfläufer (wir Nerds nennen sie AT-Ats) die Rebellenbasis auf Hoth an, und die Rebellen müssen die Läufer aufhalten. Im Film funktionierte das, indem die Rebellen Schleppkabel an ihren Gleitern benutzten, um die Läufer zu Fall zu bringen – in Battlefront müssen wir hingegen an sogenannten Uplink-Stationen Y-Wings herbeirufen, die ihre Bomben auf die AT-ATs abwerfen und sie dadurch verwundbar machen. Dann sollen wir unsere Feuerkraft auf die Läufer konzentrieren.

Diese recht schwierige Kette an Zielen gibt dem Imperium einen Vorteil, denn die Imperialen können alleine dadurch gewinnen, dass sie die Rebellen von den Uplink-Stationen fernhalten. Auf der anderen Seite müssen die Rebellen-Spieler erst mehrere Y-Wings beordern, dann abwarten, dass die AT-Ats verwundbar sind, und dann all ihr Feuer auf sie lenken; das sind ein Missionsziel gegen drei, und nebenbei feuern gefühlte zwei Millionen Sturmtruppen auf den Rebellen-Spieler ein. In manchen Momenten wirkt es so, als ob man als Rebellenspieler keine andere Wahl hat, als tausend Tode zu sterben – was nicht so fern von der „echten“ Schlacht auf Hoth entfernt ist, das Spiel aber recht unfair wirken lässt.

darth vador says hi dude

Letztendlich fühlt sich dieser Modus extrem statisch an und lässt das kreative Chaos vermissen, das Online-Schlachten manchmal so besonders macht: Die Walker folgen einer feste Route, es gibt drei feste Phasen in der Schlacht, und ich kann mir letztendlich schlecht vorstellen, dass es in Battlefront ähnlich wahnsinnige Tricks und Stunts geben wird wie in Battlefield. Doch es gibt noch einen weiteren Punkt, der mir sauer aufstößt: Ja, wie schön wäre es gewesen, wenn Luke die Invasion von Hoth einfach mit seinem Lichtschwert hätte stoppen können. Aber wenn Darth Vader auf Speed durch den Schnee von Hoth hoppelt, dann stirbt für mich ein weiteres Stück Star Wars – ebenso, wenn hunderte von Blasterschüssen auf Luke treffen und er gebrochen in die Knie sinkt, um dann nach einigen Sekunden zu verschwinden. Das mag paradox klingen und ist nicht erst der Fehler des dritten Teils, aber die Filmfiguren haben als spielbare Figuren nichts auf dem Feld verloren; in Battlefront sollte es um den unbesungenen Rebellen- und Imperiums-Soldaten gehen, der irgendwo hinten in der Reihe mit dem Wilhelm-Schrei die Welt der Lebenden verlässt. Oder im Wilhelmina-Schrei, denn in Battlefront können wir Soldaten zweier Geschlechter wählen, wobei ich gerne noch eine dritte Option hätte: Wookie.

Potentziell Gute Fanware

Doch genug gemeckert – am Ende probiere ich dann auch noch eine der Missionen aus, die ich alleine spielen kann. Battlefront bietet eine Art Horde-Modus, in dem ich auf Tatooine ein paar Wellen von Sturmtruppen abwehre und zwei AT-STs (die mit den Hühnerbeinen, für nicht-Fans) zertrümmere; gerade der Kampf gegen die beiden Läufer macht mir dabei viel Spaß, weil ich das Gelände nutzen muss und somit ein wenig Freiheit dabei habe, das Problem zu lösen.

Es gibt aber noch etwas, das mich an dieser Mission begeistert – an ihrem Anfang steht nämlich eine kurze Filmsequenz, um den Kontext der Mission zu erklären. Erst jetzt wird mir klar, was es bedeutet, wenn Star Wars in einem Videospiel noch nie so gut ausgesehen hat: Es bedeutet, dass ich es mir wahrscheinlich kaufen muss, obwohl Star Wars doch eigentlich tot ist und ich keine Multiplayer-Shooter mag. Verdammte Nostalgie.

Über Christoph Volbers

Christoph hat viel zu viele Töpfe am Kochen: Er ist der Kopf hinter dem Science Fiction-Metal-Projekt Xenogramm und schreibt an seinem eigenen Roman. Gleichzeitig studiert er Englisch und Geschichte im schönen Bremen (nicht lachen!). Da er jedoch nicht immer vor dem Bildschirm hocken kann, geht er arbeiten – und zwar in einer Einrichtung für Menschen mit Beeinträchtigungen. Wenn er sich davon erholen will, dann kocht er, oder er geht laufen, oder er sieht sich Filme und Serien an.

Oh, und offenbar schreibt er auch für krautgaming. Wie konnte ich das nur übersehen?

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