Kommentar: Ubisofts Kampf mit der Technik

Kommentar: Ubisofts Kampf mit der Technik

von am 17.10.2014 - 09:00
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Wir leben im Jahr 2014. Wir tragen kleine PCs in unseren Taschen, deren Leistung die all meiner früheren Computer übertrifft. Wir spielen auf neuen Konsolen – die es immer wieder versäumen, dem heutigen Standard zu entsprechen. Doch laut Ubisoft ist das kein Problem, sondern „die optimale Gameplay-Erfahrung.“ Leck mich, Ubisoft.

Vor einigen Tagen gab Ubisoft bekannt, dass Assassin’s Creed: Unity seine Auflösung auf 1600×900 Pixel beschränkt. Das liegt unter der 1080p-Auflösung von 1920×1080 Pixeln, den wir als den Full-HD-Standard kennen – und den Microsoft und Sony mit der Xbox 360 und der Playstation 3 erbarmungslos vorangetrieben haben: Ich erinnere mich noch gut daran, wie die Fanboys der beiden HD-Konsolen über die Wii lästerten, die kein HD konnte.

Doch nun kämpfen Dritthersteller wie Ubisoft oder Capcom (Dead Rising 3) selber damit, Full-HD auf den neuen Konsolen darzustellen. Das ist im Prinzip nicht schlimm, bis es die Konzerne zu rechtfertigen versuchen. So heißt es zum Beispiel auf Ubisofts Blog:

„Wenn man die pure Anzahl an Pixeln bedenkt, die jederzeit bewegt werden müssen – was sowohl die CPU als auch die GPU beeinflusst – ist das ein bedeutender Erfolg, vor allem, wenn man bedenkt, dass die neuen Konsolen erst ein Jahr alt sind.“

Wow, Ubisoft – viele Pixel beanspruchen den Prozessor und die Grafikkarte? Hätte ich nicht gedacht. Ich frage mich, wie das die ganzen 1080p-Spiele auf meinem PC machen – wahrscheinlich brauchen die nur ’ne Festplatte und ein Hamsterrad. Oder willst du damit sagen, dass die neuen Konsolen vielleicht nicht den Spielen der „neuen Generation“ gewachsen sind?

„Wir haben die richtige Entscheidung getroffen und unsere Ressourcen auf die beste Gameplay-Erfahrung konzentriert, und die Auflösung ist nur ein Faktor. All die NPCs, all die Details in der Stadt, all die Systeme, die ineinandergreifen, und der nahtlose Koop-Modus sind mit Kosten verbunden.“

Eine Frage, Ubisoft: Worin liegt der spielerische Unterschied zwischen 5000 und 4000 Figuren auf dem Bildschirm? Bisher hört sich das alles nach Marketing-Blendwerk an, um leicht zu beeindruckende Spieler dazu zu bringen, Geld in deinen Schlund zu feuern. Aber hey, wenn dir selbst fucking Forbes zustimmt, dann muss ich wohl falsch liegen, nicht wahr?

Fäuste pro Sekunde

Doch damit nicht genug: Assassin’s Creed Unity wird auf den Konsolen nur mit dreißig Bildern pro Sekunde laufen, damit das Spiel „more cinematic“ ist. Schlimmer noch: Auch auf dem PC wird es angeblich eine Sperre geben, die es auch starker Hardware verbietet, mit mehr als 30 Bildern pro Sekunde zu laufen.

Das ist wiederum ein Gameplay-Faktor; je mehr Bilder ich pro Sekunde sehe, desto öfter habe ich Gelegenheit, darauf zu reagieren. Denn es vergeht ein wenig Zeit zwischen meinem Knopfdruck auf dem Gamepad und der „Action“ auf dem Bildschirm, was wir Input-Lag nennen. Ob das relevant ist, muss jeder für sich selber entscheiden. Ich persönlich kann 30 Bilder pro Sekunde gut ertragen, sehe aber ein, dass manche Spiele höchste Präzision verlangen: Bayonetta 2 wäre unter 60 Bildern pro Sekunde schlicht unspielbar.

Wie bei der Auflösung ist es jedoch auch wieder die Begründung, mit der mir Ubisoft auf die Nerven geht – so hätten angeblich Microsoft und Sony von Ubisoft verlangt, das Spiel auch auf dem PC auf 30 Bilder pro Sekunde zu limitieren. Doch dieser Mangel an Rückgrat wiegt nur halb so schwer wie der Anspruch, Spiele dem Film anzunähern, und nur ein Viertel so schwer wie die Arroganz, mit der Ubisoft die Unzulänglichkeiten von Assassin’s Creed: Unity zur „besten Gameplay-Erfahrung“ überhaupt erklärt.

Denn jeder Spieler sollte das Recht haben, seine eigene, optimale Spielerfahrung selbst zu finden.

Über Christoph Volbers

Christoph hat viel zu viele Töpfe am Kochen: Er ist der Kopf hinter dem Science Fiction-Metal-Projekt Xenogramm und schreibt an seinem eigenen Roman. Gleichzeitig studiert er Englisch und Geschichte im schönen Bremen (nicht lachen!). Da er jedoch nicht immer vor dem Bildschirm hocken kann, geht er arbeiten – und zwar in einer Einrichtung für Menschen mit Beeinträchtigungen. Wenn er sich davon erholen will, dann kocht er, oder er geht laufen, oder er sieht sich Filme und Serien an.

Oh, und offenbar schreibt er auch für krautgaming. Wie konnte ich das nur übersehen?

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