Journey im Test – Das Review einer Reise

Journey im Test – Das Review einer Reise

Seit dem 14. März ist Journey, das neue Spiel von Entwickler Thatgamecompany, im Playstation Store erhältlich und sorgt bereits für jede Menge Wirbel in der Videospiel-Presse. Ob das neue Spiel der Flower-Macher halten kann, was es verspricht und was es mit dem ominösen Reisenden auf sich hat, erfahrt Ihr in unserem Review.

Wo bin ich?

Reihen von schmalen, hohen Steinen im Sand. Mehr sehen wir nicht zu Beginn von Journey. Dann plötzlich fällt ein Lichtstreifen hinter einem Dünenkamm zu Boden und das Abenteuer beginnt. Gekleidet in ein rotes Gewand und vermummt mit einem schwarzen Tuch, erwachen wir inmitten einer riesigen, lebensfeindlichen Wüste. Über uns sind nur der leere Himmel und die brennende Sonne. Unter uns erstreckt sich meilenweit nichts anderes als Wüstensand. Oder besser gesagt, fast nichts.

So in die Welt geworfen ereilen uns die ersten Fragen. Wer bin ich? Was bin ich? Wo bin ich? Und die vielleicht wichtigste Frage. Was nun? Wir kommen nicht umhin und laufen einfach los. Noch sind die Kräfte frisch und auf dem Kamm einer nahe gelegenen Düne erblicken wir zwei Steine mit auffälligen Fahnen. Unter größten Mühen stapfen wir den Hügel hinauf und erblicken die Wüste, welche sich scheinbar endlos bis zum Horizont erstreckt und an deren Ende ein imposanter Berg aufragt. Und dieser Berg ist das Ziel in Journey.

An dieser Stelle – kaum zwei Minuten im Spiel – merkt man bereits, was Journey kann. Der Charakter ist wunderschön designt und passt seinen Laufstil den Erhebungen des Terrains an. Während man im flachen Sand noch locker loslaufen kann, muss man Dünen und Hügel bereits schwerfällig und langsam erklimmen. Auf der anderen Seite kann man die Düne dann wie ein Surfer in flottem Tempo hinunterschlittern.

So schön kann Einsamkeit sein

Allgemein ist Journey ein ziemlicher Augenschmaus geworden. Ob die weite Wüste oder halb vergrabene Ruinen. Der Grafikstil wirkt zeitlos, rund und lässt das Spiel wie ein Gemälde wirken. Hier wird das Beste aus der Playstation 3 rausgeholt und das sieht man. Die Wüste wirkt in ihrer Weite so bedrückend wie endlos und erschafft eine eigenartige Stimmung von Hoffnungslosigkeit, die so bisher nur wenige Spiele präsentiert haben.

Bei der Erkundung der Welt und den vielen verschiedenen Kulissen kommt einem unweigerlich Shadow of the Colossus in den Sinn. Auch dort war die Leere der Welt ein Gameplay-Element. Journey steht Spielen dieser Art in nichts nach.

Nicht ohne mein Halstuch

Natürlich stehen dem Spieler mehr Fähigkeiten zur Verfügung, als nur zu laufen. Schon kurz nach Beginn unserer Reise lernen wir das Singen und erhalten einen kleinen Schal, der mit leuchtenden Ornamenten bedeckt ist. Diese Ornamente stellen sich schnell als wichtige Spielkomponente heraus, denn mithilfe des Schals kann sich unser Charakter mit einem gewaltigen Satz für kurze Zeit in die Lüfte erheben. Je länger man den Auftrieb nutzt, desto mehr der Ornamente verschwinden vom Schal, bis die Kraft sich schließlich erschöpft und der Spieler zu Boden gleitet.

Und hier kommt die zweite Fähigkeit des Unbekannten ins Spiel. Das Singen. Durch einen kurzen Knopfdruck stößt der Charakter einen Ton aus. Durch mehrmaliges Drücken in unterschiedlichem Rhythmus, sowie durch längeres Aufladen, kann man die Tonhöhen verändern und so eine stimmungsvolle Melodie erzeugen. Dies dient jedoch nicht lediglich der Unterhaltung, sondern hat auch einen praktischen Nutzen, denn in der Welt von Journey findet ihr immer wieder sogenannte Stoffkreaturen. Wesen, die im Aussehen oft an Tiere erinnern und die Welt mit ihrer Präsenz beleben. Nähert man sich diesen Wesen, kann man sie mit seinem Gesang aktivieren, wodurch auf ihren Körpern Ornamente sichtbar werden, die die Magie des Schals auffüllen, oder Brücken und Aufzüge erscheinen lassen.

Obwohl wunderschön gestaltet, hätten manche Mechanismen ruhig etwas ausgeklügelter sein können. Die Steuerung des Charakters ist simpel und auf ein Minimum reduziert, erfüllt jedoch ihren Zweck innerhalb der Geschichte, ist bar jeglichen Schnickschnacks und lässt trotzdem nichts vermissen.

Zu zweit allein

Wer jetzt jedoch Angst bekommt, dieses Abenteuer allein bestehen zu müssen, der kann beruhigt aufatmen. Journey teilt Spielern, die im PSN angemeldet sind, per Zufall Mitspieler zu, jedoch nie mehr als einen. Diesen trifft man unterwegs und setzt gemeinsam mit ihm seinen Weg fort, oder auch nicht. So kann ein Mitspieler dem Anderen mit seinem Gesang helfen, den richtigen Weg zu finden, oder die Magie seines Schals aufladen. In bestimmten Momenten kann ein Reisegefährte aber auch zur Belastung werden. Die Entscheidung, ob man den Weg zusammen geht oder nicht, liegt ganz bei den Spielern selbst.

Die Show der Gefühle

Man merkt ziemlich schnell, dass Journey kein Spiel der gewöhnlichen Art ist. Es geht nicht um die Rettung der Welt oder das Lösen von knackigen Rätseln. Es geht einzig und allein um den Fremden und seinen Weg zum Berg am Horizont. Man weiß nicht, was dort auf einen wartet, wie lang die Reise sein wird, oder ob man überhaupt dort ankommt.

Mit knapp vier Stunden Spielzeit ist Journey zwar relativ schnell vorbei, doch für den geringen Preis (PSN: 12,99€) und das dargebotene Spielerlebnis, ist das mehr als fair. Denn während der gesamten Spieldauer entwickelt man eine Bindung zum fremden Wesen, welches man durch die Wüste steuert, und harrt gespannt auf das Ende der Reise. Doch wer weiß. Vielleicht ist am Ende ja doch der Weg das Ziel.

Journey

von am 01.04.2012

Mein Fazit: Journey hat mich berührt wie kaum ein Spiel zuvor. Genau wie bei Portal 2 war hier das Verhältnis von Spieldauer zu erzählter Geschichte perfekt. Es gab weder Durststrecken, noch Bugs, die ich beim Durchspielen bemerkt hätte. An manch einer Stelle habe ich mir zwar aufwendigere Mechaniken gewünscht, jedoch habe ich später eingesehen, dass Rätsel lösen gar nicht das Ziel dieses Spiels ist, sondern die Welt und die damit verbundene Geschichte. Das Spiel ist einfach schön und für jeden zu empfehlen, der nach Entspannung und einer schönen Story sucht.

Kommentare

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Dejan 2. April 2012 um 22:24 02.04.2012 - 22:24

@Nina: Der Vorteil von thatgamecompany war ja, dass ihnen drei Titel schon vorfinanziert wurden von Sony. Ansonsten würde es dieses Spiel sicher nicht in dieser Form geben

Nina 1. April 2012 um 15:35 01.04.2012 - 15:35

Eines der besonderen Juwelen der Spielkunst, an die sich nie einer der AAA+ Publisher heranwagt, weil es dafür keinen „Markt“ gibt. Schön, dass es trotzdem Menschen, Entwickler und Künstler gibt, die sich von dem Abenteuer Spielentwicklung nicht abschrecken lassen und dann ein solch poetisches Stück Videospielkunst kreieren